Amazon-Serie „Love Addicts“: Viel Sex, wenig Spaß

Die neue Serie will die Antwort auf „Sex Education“ sein. An diesem Anspruch scheitert die deutsche Produktion auf ganzer Linie.  

Zwei „Love Addicts“ mit unterschiedlichen Problemen: Nele (Magdalena Laubisch) sieht in jeder neuen Bekanntschaft die Liebe ihres Lebens,  Ben (Dimitri Abold) ist beziehungsunfähig.
Zwei „Love Addicts“ mit unterschiedlichen Problemen: Nele (Magdalena Laubisch) sieht in jeder neuen Bekanntschaft die Liebe ihres Lebens, Ben (Dimitri Abold) ist beziehungsunfähig.Gordon Timpen, SMPSP/Amazon/WBTV

Es war noch nie eine gute Idee, eine Serie mit dem Hinweis auf ein bestimmtes Erfolgsformat anzupreisen. Die deutsche Comedy-Produktion „Love Addicts“, die als „unsere“ Antwort auf die überaus beliebte Netflixserie „Sex Education“ beworben wird, ist da keine Ausnahme. Durch diese Art der Vermarktung haftet der achtteiligen Serie von vornherein der Makel an, nur einen Trend bedienen zu wollen.

Dabei ist das Einzige, das „Love Addicts“ mit der vermeintlichen britischen Vorlage gemein hat, der Fokus auf mitunter kuriose Probleme im Sex- und Liebesleben ihrer Figuren. Aufschlussreich behandelt die auf einer Idee von Marian und Marco Grönwoldt basierende Serie ihr Thema allerdings nicht. Der Aufklärungseffekt, der „Sex Education“ auch innewohnt, bleibt hier gänzlich aus.

Worauf es „Love Addicts“ vor allem anzukommen scheint, ist die schlichte Demonstration von Coolness und vermeintlichem Zeitgeist. Wenn sich die vier Mittzwanziger im Zentrum der Handlung allwöchentlich in einer Turnhalle einfinden, um mit Therapeutin Anja (Annette Frier) ihre jüngsten Eskapaden zu reflektieren, kommt dabei selten mehr heraus als kalkulierte Provokation.

Klischees über die Millennials und Gen Z: sexuell offen, aber beziehungsunfähig

Der Humor speist sich aus den Erfahrungen der Therapieteilnehmer: Bei der sexsüchtigen Fotografin Zoé (Malaya Stern Takeda) und dem bindungsunfähigen Barkeeper Ben (Dimitri Abold) geht es krass zu, bei den übrigen beiden „Patienten“ eher peinlich. Dennis (Anselm Bresgott) versucht, seiner vereinnahmenden Freundin Yvonne (Dana Herfurth) zu entkommen, und Nele (Magdalena Laubisch) möchte sich vom Zwang lösen, in jeder Zufallsbekanntschaft ihren persönlichen Märchenprinzen zu vermuten.

Wirklich komisch ist „Love Addicts“ nur dann, wenn der unter der Leitung von Julia Drache („Mein Freund, das Ekel“) geschriebenen Serie ein Überraschungsmoment gelingt. Allzu oft ist das leider nicht der Fall – dafür wirken die Geschichten der vier Protagonisten zu konstruiert und folglich zu vorhersehbar. Qua dieser Künstlichkeit bieten die acht jeweils rund halbstündigen Folgen den Zuschauern auch nur selten Gelegenheit, sich in das turbulente Geschehen einzufühlen. Das ist besonders fatal vor dem Hintergrund, dass die Produktion es spürbar darauf anlegt, das Mindset ihres vermeintlichen Zielpublikums abzubilden.

Bei dieser Mission hatte das fünfköpfige Autorenteam offenbar bekannte Klischees um Millennials und die jüngere Gen Z im Kopf. Generationen also, denen man, bei aller sexuellen Offenheit und Sensibilisierung für ihre Gefühlswelt, ein dysfunktionales Verhältnis zu romantischen Beziehungen und Nähe nachsagt. Entsprechend freizügig sind viele Szenen gehalten, entsprechend unterkomplex die zwischenmenschlichen Entwicklungen. Dass die Serienschöpfer schließlich der Versuchung erliegen, ihre Figuren ausgerechnet ineinander Heilung finden zu lassen, führt zu einem Finale, das nur knapp am Kitsch vorbeischrammt.

Wodurch „Love Addicts“ dann doch hervorsticht, ist ein überaus stylischer Look. Zum echten Vorteil geraten der Serie die ansprechend eingerichteten Lofts und die hippen Outfits ihrer Figuren aber nicht. Vielmehr tragen das aufwendige Kostüm- und Set-Design zum Eindruck der Realitätsferne bei.

Dank der mitunter charismatischen Besetzung, einigen durchaus unterhaltsamen Handlungselementen und der gekonnten Inszenierung durch die beiden Regisseure Arabella Bartsch („Deadlines“) und Janosch Chávez-Kreft („Vierwändeplus“) ist „Love Addicts“ kein gänzlicher Fehlschlag.

Wertung: 2 von 5 Punkten

Love Addicts. Serie, 8 Folgen, Amazon Prime Video