Mit „The Forgiven“ kehrt der britische Regisseur Roland Joffé gleichsam zu seinen filmischen Anfängen zurück. In seinem spektakulären Kinodebüt, dem Kriegsdrama „Killing Fields – Schreiendes Land“ (1984) hatte er die Schrecken des Pol-Pot-Regimes in Kampuchea eindrucksvoll auf die Leinwand gebracht. Sein jüngster Film befasst sich nun mit der Apartheid in Südafrika, oder genauer: mit der Zeit danach, als eine Wahrheits- und Versöhnungskommission unter Leitung von Erzbischof Desmond Tutu die zutiefst gespaltene Gesellschaft zu beruhigen suchte. Auf der Basis von Michael Ashtons Theaterstück „Der Erzbischof und der Antichrist“ skizziert „The Forgiven“ das verbale Duell zwischen Tutu und dem fiktiven weißen Mörder und eingefleischten Rassisten Piet Blomfeld, der in einem Hochsicherheitsgefängnis einsitzt und auf Gnade hofft.

Zwar dominieren die Dialoge des Theaterstücks auch die Kinoversion. Aber Joffé bricht die dramaturgische Struktur der Bühnenvorlage auf und baut Rückblenden ein, mit denen die Biografie Blomfelds transparent wird. Der Angeklagte war ja nicht von Anfang an von Hass zerfressen; es war sein Vater, der die Kinderfreundschaft mit einem schwarzen Mädchen zerstörte und ihn in Erziehungsanstalten zwängte, die ihm die weiße Überlegenheitsideologie einprügelten. Die Erinnerungen an die noch ungetrübte Kindheit leuchten wie helle Glücksmomente in eine eher dunkle, von Gittern, Mauern und Brutalität geprägte Zuchthausgegenwart.

Mit Eric Bana und Forest Whitaker

Eric Bana stellt den Angeklagten als zynischen Herrenmenschen dar, der seine Haltung durch literarisch-philosophische Sprüche zu grundieren sucht. Die späte Läuterung kommt da fast zu plötzlich. Forest Whitaker spielt Bischof Tutu als gütigen Humanisten, der sich Augenblicke tiefster Verzweiflung nur im privaten Umfeld an der Seite seiner Frau erlaubt. Das Drehbuch bietet Bana, dem Bösen, zweifellos das stärkere Spielmaterial. Whitaker dagegen muss sich mit einer gewissen Gleichförmigkeit zufriedengeben.

Problematisch ist die deutsche Synchronisation. Synchronisieren bedeutet ja a priori einen gravierenden Eingriff in das filmische Original. Den fremdsprachigen Schauspielern werden ihre Stimmen genommen, die Tonebene bekommt selbst bei besten Mühen eine Anmutung von Sterilität. Synchronisieren könnte generell als Akt der kulturellen Kolonisierung bezeichnet werden. Im Fall von „The Forgiven“, in dessen Original es situationsbedingt verschiedene Ausdrucksformen des Englischen gibt, den Slang der Gefängnisinsassen, die Dialekte und Sprachfärbungen schwarzer Nebenfiguren, erweist sich die Synchronisation als einzige Glättungsmaschinerie. Eine deutsche Untertitelung wäre gerade diesem Film gerechter geworden. Auf der DVD fehlt sie völlig.

The Forgiven USA 2017. Regie: Roland Joffé, DVD ab 11,99 €; als kostenpflichtiger Stream bei Amazon Prime Video erhältlich