Aus für in Babelsberg gedrehte Netflix-Serie: „1899“ wird nicht verlängert

Nach Plagiatsvorwürfen und durchwachsenen Kritiken bekommt die Serie trotz hoher Zuschauerzahlen keine neue Staffel. Die Macher reagieren emotional.

Emily Beecham in „1899“
Emily Beecham in „1899“Netflix

Es ist ein Rückschlag, wohl auch für den Produktionsstandort Babelsberg. Wie die Berliner Filmemacher Jantje Friese und Baran bo Odar am Montagabend bei Instagram verkündeten, wird die Serie „1899“ nicht weiter fortgesetzt: „Wir hätten diese unglaubliche Reise gerne mit einer zweiten und dritten Staffel beendet, so wie wir es mit ,Dark‘ getan haben“, heißt es in dem gemeinsamen Statements des Paars. „Aber manchmal entwickeln sich die Dinge anders, als man sie plant. So ist das Leben. Wir wissen, dass dies Millionen von Fans da draußen enttäuschen wird. Aber wir wollen uns aus der Tiefe unseres Herzens bei euch dafür bedanken, dass ihr ein Teil dieses wundervollen Abenteuers wart. Wir lieben euch. Vergesst das nie.“

Zahlreiche Abonnenten schalteten ein

Die Entscheidung von Netflix kommt durchaus etwas unerwartet. Zwar fielen die internationalen Kritiken durchwachsen aus und eine brasilianische Comic-Künstlerin brachte Plagiatsvorwürfe vor, die zumindest bei Twitter viel Aufmerksamkeit generierten. Doch die Abonnenten schalteten ein. Fünf Wochen lang hielt sich „1899“ in den globalen Top Ten der englischsprachigen Serien, über 255 Millionen Stunden lang schauten Menschen bis Mitte Dezember weltweit zu, wie Crew und Passagiere eines Schiffes zur Jahrtausendwende vor immer mysteriösere Rätsel gestellt wurden.

Diese werden nun wohl vorerst nicht mehr aufgelöst, was auch beim Studio Babelsberg für Enttäuschung sorgen dürfte. Auf dem Filmgelände in Potsdam hatten Friese und Odar ein innovatives Studio für die virtuelle Produktion errichtet, finanziell gefördert wurde es vom Land Brandenburg. Die sogenannte Dark Bay ist das einzige Studio seiner Art in Europa. Netflix hat vertraglich zugesichert, dort weitere Projekte zu drehen, die Folgestaffeln von „1899“ standen in der Pipeline. Nun muss umdisponiert werden. Das Budget für die erste Staffel betrug mindestens 40 Millionen Euro.

Als erste Deutsche hatten Baran bo Odar und Jantje Friese, die mit „Dark“ internationale Rekorde brachen, 2018 einen Exklusiv-Deal mit Netflix abgeschlossen, der auch die erste Staffel von „1899“ beinhaltete. Der Vertrag läuft in diesem Jahr aus.


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