Berlin - Der Tag für die Bekanntgabe des Berlinale-Wettbewerbsprogramms ist mit Bedacht gewählt. Gäbe es Corona nicht, hätte am 11. Februar  die Berlinale-Leitung in Gestalt von Mariette Rissenbeek und Carlo  Chatrian am Potsdamer Platz auf dem roten Teppich gestanden und ihr Festival eröffnet. Nun hielten sie eine Pressekonferenz in einem leeren Kino ab. Denn auch dieses Kulturjahr ist ein Jahr des Konjunktivs, der Verschiebung und der Reduktion. Ja, die Berlinale findet irgendwie statt, wenn auch zweigeteilt. Und vom 1. bis 5. März sind die Filme nur online zu sehen für Filmeinkäufer und Journalisten. Und trotzdem stellte sich Aufregung und Vorfreude ein, als der künstlerische Leiter Carlo Chatrian die Filme nannte, die um den Goldenen Bären konkurrieren. Es sind nicht  18 wie 2020, sondern 15, und der Wettbewerb wird von vier deutschen Filmen dominiert, darunter zwei Berlin-Filme.

Dominik Graf hat mit „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ den gleichnamigen Roman von Erich Kästner verfilmt, in den Hauptrollen sind Tom Schilling und Albrecht Schuch. Maria Schrader wird ein Jahr nach „Unorthodox“ mit „Ich bin dein Mensch“ erstmals im Wettbewerb der Berlinale vertreten sein, sie erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einem humanoiden Roboter (Dan Stevens) und einer Frau (Maren Eggert). Daniel Brühl ist mit seinem Regiedebüt „Nebenan“ dabei, eine der Hauptrollen spielt Brühl selbst, die andere Peter Kurth. Und die der Berliner Schule zugerechnete Regisseurin Maria Speth zeigt ihre Langzeitdokumentation „Herr Bachmann und seine Klasse“, die sie in der sechsten Klasse einer Schule im hessischen Stadtallendorf gedreht hat.

Im Wettbewerb sind zudem folgende Titel: der philosophische Thriller „Albatros“ von Xavier Beauvois, die rumänische Produktion „Bad Luck Banging or Loony Porn“ von Radu Jude, der iranische Beitrag „Ballad of a White Cow“ von Behtash Sanaeeha und Maryam Moghaddam, das ungarische Drama „Forest – I See You Everywhere“ von Bence Fliegauf, der teilweise in Berlin gedrehte „Introduction“ von Hong Sang-soo, „Memory Box“ von Joana Hadjithomas und Khalil Joreige, „Natural Light“ von Denes Nagy, „Petite Maman“ von Céline Sciamma, „Una pelicula de policias“ von Alonso Ruipalacios, „What Do We See When We Look At the Sky“ von Aleksandre Koberidze und „Wheel of Fortune and Fantasy“ von Hamaguchi Ryusuke. Es sind viele alte Bekannte unter den Regisseurinnen und Regisseuren, zum ersten Mal in der Geschichte der Berlinale findet sich jedoch kein amerikanischer Film im Wettbewerb.

Drei deutsche Filme auch im Berlinale-Special: Tim Fehlbaum mit seinem Science-Fiction-Film „Tides“, Christian Schwochow zeigt seine neue Arbeit „Je suis Karl“ mit Jannis Niewöhner und Luna Wendler sowie der Dokumentarfilm „Wer wir waren“ von Marc Bauder nach dem Essay von Roger Willemsen.

In einer früheren Version war Sandra Hüller als Hauptdarstellerin in „Ich bin dein Mensch“ genannt, sie hat aber eine Nebenrolle.  Die Hauptrolle hat  Maren Eggert.

Das vollständige Berlinale-Programm unter: www.berlinale.de