Berlin - Bruce Willis verfügte noch über sein volles Haupthaar, als er 1999 die männliche Hauptrolle in dem Horrorthriller „The Sixth Sense“ übernahm. Der in Indien geborene Regisseur M. Night Shyamalan hauchte so dem zum Trash-Kino abgesunkenen Genre neues Leben ein. Sehr viel hatte das aber auch mit dem damals sechs Jahre alten Schauspieler Haley Joel Osment zu tun, der einen Jungen mit der Gabe spielte, die Toten seiner Umgebung wahrzunehmen. Die waren weniger eine Bedrohung für die Lebenden, sondern selbst darauf aus, sich ihrer Ängste zu entledigen. Der junge Held Cole Sear fungierte in dem Film mehr als therapeutischer Helfer denn als Opfer.

Das Beunruhigende und das Kontemplative des Kinos

Ehe es Night Shyamalan gelang, dem dargestellten Horror eine feinfühlig-psychologische Note abzuringen, hatte er sich als Drehbuchautor des Familienfilms „Stuart Little“ einen Namen gemacht, die Geschichte einer Maus. Zu seinen wichtigsten Initiationserlebnissen fürs Kino aber zählt Night Shyamalan, der Spike Lee und dessen Etablierung eines afroamerikanischen Kinos als wichtige Inspirationsquellen nennt, einen Konflikt mit Harvey Weinsteins Firma Miramax, die eine frühe Arbeit Shyamalans rüde verwarf und einen völligen Neuschnitt verlangte.

Mit der überraschenden Wahl, Night Shyamalan zum Jury-Präsidenten der kommenden Berlinale zu berufen, setzen Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek ein auffälliges Zeichen für eine Neubelebung der zuletzt als verkürztes, semi-digitales Sommerfestival ausgetragenen Berlinale. Nun strebt man zur gewohnten Jahreszeit zurück ins Kino, und mit dem 51-jährigen Regisseur, Schauspieler und Produzenten als Gesicht der Jury soll auch das Zeichen ausgesendet werden, dass gutes Kino keine Genre-Festlegungen kennt. Wie bei jedem guten Filmemacher gingen die Meinungen über Shyamalans Werke oft auseinander, die neben einer beunruhigenden stets auch eine kontemplative Seite haben.