Im Allgemeinen haben Tiere und Pflanzen ja nicht viel mitzureden; das liegt nicht zuletzt daran, dass die Menschen sich nicht sonderlich viel Mühe mit der Verständigung geben. Allzu verschieden scheinen die Artikulationsformen der tierischen und pflanzlichen Mitgeschöpfe, allzu mühsam ihr Erlernen. Ohnehin ist nicht zu erwarten, dass, verstünden wir sie denn endlich, viel Lob zu vernehmen wäre. Eher wohl bekämen wir es einmal mehr mit der rein rhetorischen Frage zu tun, die sich uns ohnehin tagtäglich stellt: Haben wir eigentlich noch alle Tassen im Schrank?

Im Programm des Forums wirft Salomé Jashi diese Frage mit „Taming the Garden“ auf, in dem sie dokumentiert, wie in Georgien uralte, prachtvolle, identitätsstiftende Dorfbäume der Laune eines mächtigen Mannes geopfert werden. Ein reicher Sammler mit politischer Vergangenheit und dementsprechendem Einfluss, lässt die markanten Exemplare ausgraben und hunderte von Kilometern über Land und See in seinen sterilen Garten verschleppen. In ihrem Zuhause hinterlassen die widernatürlich wandernden Bäume eine existenzielle Leere und auf ihrer Reise reißen sie dutzendfach „im Weg stehende“ Artgenossen mit sich. Wer versteht ihr protestierendes Knarren und Knarzen, während man an ihnen zerrt? Wer hört das wütende Aufheulen des Windes, der in ihre gekappten Äste fährt?

Nicht besser ergeht es jenen Tieren, die der Dokumentarfilm „From the Wild Sea“ im Programm von Generation 14plus in den Blick nimmt. Darin zeigt uns Robin Petré die Folgen, die die Eingriffe des Menschen in die Natur für die Lebewesen an den Küsten nach sich ziehen. So werden beispielsweise die klimawandelbedingt zunehmend unberechenbareren Winterstürme mittlerweile immer öfter den Robben zum Verhängnis. Vielfach werden sie als Spielball der Wellen gegen Klippen geschleudert; und nur wenn sie dann noch Glück haben, landen sie zerschunden, erschöpft und unterkühlt in einer Pflegestation, fletschen das Raubtiergebiss und fauchen die Zweibeiner an, die sich um sie bemühen. Wer versteht ihre Empörung, ihre Verunsicherung und ihre Angst?

Jashi und Petré schauen genau hin und zeichnen mit großer Ruhe auf, und es ist nicht der allzeit bereite Homo Sapiens, der in ihren Filmen mit Erläuterungen und Rechtfertigungen wortreich die Bühne beansprucht. Der Raum gehört vielmehr jenen, die keine Worte haben und deren Sprache wir nicht verstehen – und die wir hier auch gar nicht verstehen müssen, derart klar, laut und deutlich zu vernehmen ist die Botschaft. Ein Wohlfühl-Double-Feature ergibt dies nun beileibe nicht, doch mit den Möglichkeiten der Erkenntnis über jene, mit denen wir den Planeten teilen, gehen „Taming the Garden“ und „From the Wild Sea“ außerordentlich großzügig um. Nichts wie hin!

Taming the Garden (Forum) Open Air Kino HKW, 16.6., 21.30 Uhr

From the Wild Sea (Generation 14plus) 15.6., Freiluftkino Rehberge, 21.45 Uhr, 17.6., Freiluftkino vom Filmrauschpalast, 21.45 Uhr