„Black Panther“-Fortsetzung „Wakanda Forever“: Vom Verlust eines Helden

Nach dem großen Erfolg von „Black Panther“ starb der Hauptdarsteller Chadwick Boseman. Nun geht das Franchise ohne ihn weiter. Kann das gelingen?

Königin wider Willen: Angela Bassett trauert als Ramonda um ihren verstorbenen Sohn.
Königin wider Willen: Angela Bassett trauert als Ramonda um ihren verstorbenen Sohn.Annette Brown/Marvel

Black Panther war der erste schwarze Superheld in einer zentralen Rolle im Kinouniversum von Marvel. Dass der Figur damit eine besondere kulturelle Bedeutung zufiel, stand also außer Frage, als der gleichnamige Film 2018 in die Kinos kam. Sein wirtschaftlicher Erfolg war trotzdem eine Überraschung. Mehr als 700 Millionen Dollar spielte der Film allein in den USA ein, sogar mehr als „Avengers 3: Infinity War“. Ein Grund dafür war, dass „Black Panther“ deutlich mehr schwarze Zuschauer ins Kino lockte. Während der Prozentsatz bei vergleichbaren Filmen aus dem Hause Marvel/Disney bei etwa 15 Prozent liegt, waren es diesmal 37.

Zur Erinnerung: In „Black Panther“ wird der Kampf des fiktiven afrikanischen Staates Wakanda gegen äußere Einflüsse erzählt. Über Jahrhunderte existierte dieser Staat in geheimer Isolation und entwickelte sich dank des dort geborgenen Rohstoffs Vibranium zum technisch höchstentwickelten Land der Welt. Als das Wissen um die Substanz nach außen gelangt, steht die Nation (regiert von König T’Challa, dem durch ein heimisches Serum mit Superkräften ausgestatteten Black Panther) vor großen Herausforderungen. Die meisten Zuschauer sahen in „Black Panther“ einen Film über schwarze Selbstermächtigung beziehungsweise ihren Erhalt, doch auch die Rechten konnten ihm einiges abgewinnen – sie sahen Nationalismus, Royalismus und Abschottung. Der Kampfschrei „Wakanda Forever!“ dominiert die finalen Gefechte.

Boseman war das Herz von „Black Panther“

Ausgerechnet diesen Titel trägt nun die Fortsetzung, die von einem Trauma vor und hinter der Kamera erzählt. Im August 2020 starb Chadwick Boseman, der Black Panther spielte, mit 43 Jahren an Krebs. Die Reaktionen seiner Kollegen zeichneten ein klares Bild: Der Schauspieler war nicht nur das Gesicht, sondern auch das Herz der „Black Panther“-Welt. Diesen Verlust zum Thema zu machen, war für die Filmemacher um Regisseur Ryan Coogler deshalb unausweichlich.

Die Nachricht vom Tod des Königs, ihres Bruders, erreicht Prinzessin Shuri (Letitia Wright), als sie in ihrem Labor gerade unter Hochdruck versucht, ein Heilmittel für ihn zu finden. Überbracht wird sie von ihrer Mutter Ramonda (Angela Bassett), die fortan als Königin regieren muss. Die Trauerzeremonie im Film ist reich an Tränen, aber auch an Lebensfreude. Die Menschen von Wakanda verabschieden ihren König ganz in Weiß gekleidet, singen und tanzen, während sein Körper buchstäblich in den Himmel auffährt.

Hier wird einmal mehr deutlich, was Wakanda so reizvoll macht. In dieser Gesellschaft hat der technische Fortschritt das kulturelle Erbe gestärkt, anstatt es zu schwächen, er hat zu Wohlstand geführt, von dem alle profitieren. Die Menschen müssen weniger arbeiten, ihre Freizeit verbringen sie nicht vor Bildschirmen, sondern in der realen Gemeinschaft. Das Materielle und die Natur stehen im Zentrum des Lebens, die Großstadt ist grün und auch Digitales lässt sich anfassen.

Nach dem Tod T’Challas ist diese Idylle wieder akut bedroht, denn die Außenwelt hat es nach wie vor auf das Vibranium abgesehen und wähnt Wakanda nun geschwächt – zu Unrecht, wie die neue Königin nach einem versuchten Angriff aus Frankreich vor den Vereinten Nationen sehr deutlich macht. Es ist ein neuer Gegner, der die mächtige Nation schließlich ernsthaft ins Wanken bringt.

Krieg aus Angst

Anders als bisher angenommen gibt es Vibranium nicht nur in Wakanda, sondern auch in Talocan, einem Unterwasserkönigreich vor der Küste Mexikos. Die Figur des Prinz Namor, der dort regiert, gibt es schon seit 1939, und sie gehörte lange zu den beliebtesten Helden des Verlags „Timely Comics“, aus dem später Marvel hervorging. Im Kino gibt der an den Fußknöcheln geflügelte Herrscher, gespielt von Tenoch Huerta, nun seine Premiere. Namor will Wakanda aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus zum Verbündeten machen, doch leider beinhaltet seine Strategie zur Vermeidung von Ausbeutung einen Präventivkrieg gegen den Rest der Welt.

Der zentrale Konflikt spielt sich also zwischen zwei Nationen ab, die aus einer geteilten Angst vor Unterdrückung schließlich aufeinander losgehen, was sämtlichen potenziellen Kolonisatoren oder anderweitigen Opportunisten aller Art natürlich nur gefallen kann. Am Ende zeigt Wakanda mal wieder, wie es vermeintlich richtig geht. Wakanda Forever eben.

Der Weg dorthin gerät mit zweieinhalb Stunden entschieden zu lang, durch zum Beispiel Menschen schleudernde Orcas manchmal unfreiwillig komisch und mit viel Pathos vor Greenscreen-Kulissen mitunter steril. Doch wie „Black Panther“ von Boseman lebte, kann „Wakanda Forever“ auch im Gedenken an ihn überzeugen, vor allem dank Angela Bassett, Lupita Nyong’o und Letitia Wright, die für die Trauer ihrer Figuren sicher aus ihrer eigenen schöpften.

„Black Panther 2: Wakanda Forever“. Spielfilm, 162 Minuten, ab 10. November im Kino