Seit Deutschland die Kulturpolitik mit einem Staatsministerposten ausgestattet hat, gehören die Internationalen Filmfestspiele Berlin zu den wichtigen Auftrittsorten für diese Amtsperson – bei der Eröffnungsfeier und auf dem roten Teppich. Kulturstaatsministerin Claudia Roth meldet sich schon zu Wort, bevor am Donnerstag die 72. Ausgabe des Festivals beginnt. Die Berlinale sei „ein wichtiges Zeichen des Optimismus, der Hoffnung und der Ermutigung“, zitiert die Deutschen Presse-Agentur aus einem Gespräch in Berlin.

Es klingt, als würde sie einen Streit mit konkreten Gegnern ausfechten, wenn Claudia Roth formuliert: „Wir lassen sie uns nicht wegnehmen. Ganz im Gegenteil, wir setzen ein Zeichen für die Kultur, für das Kino, für den Film und für all diejenigen, die in diesem Bereich arbeiten, die Kreativen und all die Menschen hinter den Kulissen.“

Mag es in früheren Jahren darum gegangen sein, wie viel Geld für Glanz und Glimmer zur Verfügung gestellt wird oder, mehr noch, wie politisch Filmkunst sein darf oder soll; diesmal sind die Probleme medizinischer Natur. Die Widerstände gegen das Festival lassen sich aus den Infektionszahlen mit dem Coronavirus ablesen, die eigentlich bedeuten, alle Veranstaltungen und Reisen in Frage zu stellen. Die Kulturstaatsministerin verweist in dem Gespräch auf „größtmögliche“ Sicherheitsvorkehrungen für Gäste, Mitarbeiter, Künstler und Zuschauer und sagt: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass diese Pandemie unsere vielfältige Kultur kaputtmacht, deshalb ist es wichtig, dass die Berlinale stattfindet.“ Eine Verschiebung wäre keine Option gewesen, schon wegen der Konkurrenz zu den Festivals in Venedig und Cannes.

Eines der meistbenutzten Wörter dieser Tage dürfte „anders“ sein, so gibt es anders als sonst keine Partys und keine großen Empfänge. „Der Glanz dieser Berlinale ist, dass in dieser schweren Zeit überhaupt Filme laufen“, so Roth, die sich eine Filmliebhaberin nennt. An diesem Montag beginnt zwar der Kartenverkauf, doch die legendären Berlinale-Schlangen werden sich diesmal nicht bilden: Tickets gibt es  ausschließlich online. (mit dpa)