Berlin - Anita Paschke wohnt in Berlin-Mitte. Linienstraße, Hinterhaus, 4. Etage links, Außentoilette auf halber Treppe, manchmal schauen Ratten durch den Abfluss. Seit langem ist die Wohnung zum Abriss vorgesehen, aber das Bauprogramm der SED rauscht irgendwie an Anita Paschke vorbei, sie hockt im Loch, blond, ledig und mit drei Kindern.

So beginnt das Drehbuch „Freiheitsberaubung“. Regine Sylvester schreibt es 1984, nach der gleichnamigen Erzählung von Günter de Bruyn. Thomas Langhoff will es fürs DDR-Fernsehen verfilmen. Das Buch ist auf konkrete Schauspieler hingeschrieben, sie leben im Text, noch ehe es den Film gibt: Jutta Wachowiak als Anita, Rolf Ludwig als umtriebiger Kellner aus der Kneipe nebenan. In lakonischen Dialogen entfaltet sich ein Berliner Volksstück: Anita lernt einen Bauleiter kennen, der ihr eine neue Wohnung verspricht. Ein verheirateter Mann aus der Provinz. Als er das Versprechen nicht hält, schließt sie ihn bei sich ein, ausgerechnet am Tag, als seine Familie in die Hauptstadt umzieht. Die Polizei kommt. Und endlich auch die Hoffnung auf bessere Verhältnisse.

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