Zwei Liebende sehnen sich danach, ein paar gemeinsame Stunden zu verbringen. Alles scheint sich gegen sie zu verschwören, sie werden von der Wirklichkeit aufgerieben. Die bundesdeutsch-polnische Koproduktion „Der achte Wochentag“ war 1958 als großer Wurf angelegt. In den Studios von „Film Polski“ dank des Umtauschkurses preiswert gedreht, wurden die Rollen des Liebespaares jeweils mit Stars aus West und Ost besetzt. Den weiblichen Part gab Sonja Ziemann, damals durch Heimatfilme wie „Schwarzwaldmädel“ oder „Grün ist die Heide“ millionenhaft verehrt. Ihr Leinwand-Partner war der durch Wajdas „Asche und Diamant“ berühmt gewordene Zbigniew Cybulski.

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„Asche und Diamant“ machte Zbigniew Cybulski berühmt.

Wenn sich auch für die Figuren des Dramas zuletzt eine vage Zukunft andeutet, ging für Produzent Artur Brauner und seine CCC-Film die Rechnung nicht auf. In „Volkspolen“ wurde das Werk sofort nach Fertigstellung verboten. Für die Kinos im Westen erwies es sich trotz Ziemann als viel zu sperrig. Kaum jemand wollte sie als ständig hungerndes Warschauer Mädchen sehen, dass sich im Vollrausch einem windigen Journalisten hingibt, während ihre große Liebe dadurch fast eingeht.

Cybulski kam, schwieg und verschwand

Inzwischen in Warschau aufwendig restauriert und als Wiederentdeckung gefeiert, läuft „Der achte Wochentag“ nun erstmals in Berlin. Anlass ist eine Retrospektive mit elf weiteren Cybulski-Filmen. Der berühmteste polnische Mime (1927-1967) war in der Wahrnehmung lange auf das Klischee aus „Asche und Diamant“ festgelegt: schweigsam, hintergründig, ausgestattet mit getönter Brille, schweren Stiefeln und Kutte. Er kam, schwieg und verschwand. Die Werkschau zeigt noch einmal, wie gut er das konnte. Seine Leinwandpräsenz ist unbeschreiblich, sie bedarf mitunter nur winziger Gesten. Er konnte aber noch viel mehr.

Cybulski hat zwischen 1954 und 1967 in 46 Filmen mitgewirkt. Manche Rollen wirken wie Fluchtversuche aus dem existentialistischen Stereotyp, leihen Hochstaplern oder Schwadroneuren glaubwürdige Gestalt. Im episodisch angelegten Seemannsgarn „Cała naprzód“ (Volldampf voraus) spielt er einen verwegenen Ozean-Abenteurer, der in Wahrheit vielleicht nur auf dem Trockendock arbeitet. Die absurde Weltkriegs-Klamotte „Giuseppe w Warszawie“ (Giuseppe in Warschau) zeigt ihn als tollpatschigen Maler, der wider Willen zum Helden des Widerstands wird. Und im überraschend zynisch angelegten „Jak być kochaną“ (Die Kunst, geliebt zu werden) von Wojciech Has ist er sogar als selbstverliebter Schauspieler zu erleben.

Zwei Jahre vor seinem Tod trieb er mit Tadeusz Konwickis „Salto“ die Selbstparodie auf die Spitze. Mit seinem berühmten Outfit kostümiert, gelangt er in eine Kleinstadt, deren Bewohner umgarnt und aufgemischt werden. Dann springt er auf einen Zug und verschwindet für immer. Realität und Fiktion verschwimmen. Die Eisenbahn war sein Schicksal. Am 8. Januar 1967 versuchte Cybulski, einen bereits Richtung Warschau abfahrenden Express noch zu erwischen. Er kam nie an.

Retrospektive „Zbigniew Cybulski, der Mann, der nicht ankam“, Zeughauskino, 2. bis 29. Juni