Berlin - Obwohl es sich bei seinen bedeutendsten Werken um dichte Personenporträts handelt, wirken diese oft wie Naturfilme. Lange Einstellungen, tonlose Annäherungen – wie eine Beute in der Steppe umkreist die Kamera jene Protagonisten, die das Glück hatten, in den Fokus von Leon Gasts filmischen Expeditionen geraten zu sein. Und so wurden die Dokumentarfilme über den Basketballspieler Kobe Bryant, den Bluesmusiker B.B. King, die Boxlegende Muhammad Ali oder auch die Westküstenband Grateful Dead stets zu Bestandsaufnahmen der gegenwärtigen USA, deren Leidenschaften, Sehnsüchte und Ängste. In Leon Gasts Filmen konnte man die emotionalen Ressourcen des Bewunderns entdecken, aber auch was es heißt, bewundert zu werden. Nie ging es Gast um Homestorys oder Heldenporträts, in seinen Filmen zeigte er vielmehr herausragende Persönlichkeiten gerade auch in Momenten der Stille des Alltags.

Leon Gast, 1936 in New Jersey geboren und aufgewachsen, hatte zunächst ein Studium der Theaterwissenschaft an der Columbia University in New York begonnen, dieses aber abgebrochen, als er die Gelegenheit erhielt, zusammen mit Lowell Thomas die TV-Serie „High Adventure“ zu produzieren, eine Show, die weitgehend unbekannte Weltgegenden vorstellte. Durch diese Arbeit kam Leon Gast viel herum, und durch sie entwickelte er auch seine filmische Version eines ethnologischen Blicks, mit dem er der Fremdheit nicht zu Leibe rücken, sondern sie beschreiben und verstehen wollte.

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