Berlin - Mit ihrem Film „Und morgen die ganze Welt“ schaffte Julia von Heinz im vergangenen Jahr den Sprung in den Wettbewerb von Venedig. Das weckt auch das Interesse an älteren Arbeiten der 1976 in Berlin geborenen Kamerafrau und Regisseurin. Zum Beispiel an ihrem Dokumentarfilm „Standesgemäß“ (2008), der jetzt auf DVD wieder aufgelegt wird.

„Standesgemäß“ ist das Porträt dreier adliger Singlefrauen und baut zunächst eine gehörige Distanz zur anachronistischen Parallelwelt des deutschen Adels auf. Was ist schon von einer Kaste zu halten, deren Repräsentanten sich für eine Messe der „Genossenschaft katholischer Edelleute“ aufbrezeln, Radtouren ausschließlich für adlige Kinder organisieren oder Partner nur auf speziellen Adelswebseiten suchen? Einmal wird erklärt, dass eine Adlige, die einen Bürgerlichen heirate, zu 50 Prozent draußen sei. Wenn sie ihren Namen behalte, sei sie zu 100 Prozent draußen. Und wenn sie ihren Namen an den Partner weitergebe, zu 175 Prozent. Ausgeschlossen aus einer Gemeinschaft, die viele ihrer Privilegien vor hundert Jahren zwar zu Recht verloren hat, die aber dennoch, konservativen Codes unbeirrt folgend, auf ihrer herausgehobenen Stellung beharrt.

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