Indien ist weit, und die Bollywood-Filme, die hierzulande ins Kino kommen, richten sich vor allem an die indischstämmige Community und Menschen mit dem entsprechenden Nischengeschmack. Alia Bhatt, 1993 in Mumbai geboren, ist ein Bollywood-Star und aus genannten Gründen hierzulande kaum bekannt. Ein paar Filmbuffs könnten sie in „Gully Boy“ gesehen habe, der 2019 auf der Berlinale lief. Am Freitag kommt ihr neuer Film in die Kinos: „Gangubai Kathiawadi“, er hatte gerade bei der Berlinale Weltpremiere. Alia Bhatts Rolle ist für die konservative indische Gesellschaft recht gewagt: Sie spielt eine Prostituierte. Sicher, sie hat dieses Gewerbe nicht freiwillig gewählt, sondern ist in eine Falle gelockt und an ein Bordell in Mumbai verkauft worden, aber trotzdem. Gangu, wie alle sie nennen, verzweifelt nicht auf Dauer, sondern nimmt ihr Schicksal in die Hand und kämpft für die Rechte der Sexarbeiterinnen Indiens. Bis zu Nehru schafft sie es mit ihrem Anliegen. Nach Bollywood-Manier führen mitreißender Tanz und Gesang durch die Handlung.

Indien ist weit, aber Alia Bhatt, deren Familie seit Generationen in der Filmindustrie tätig ist, hat auch deutsche, ja Berliner Wurzeln. Ihre Mutter Soni Razdan erzählte der Zeitung The Indian Express, dass ihre Familie mütterlicherseits aus Berlin stamme. Ihr Großvater Karl Hoelzer habe eine Untergrundzeitschrift gegen Hitler herausgegeben. „Er war kein Jude, aber hatte etwas gegen den Faschismus.“ Er sei sogar für zwei Jahre ins KZ gekommen, aber ein Rechtsanwalt habe für seine Freilassung gesorgt. Dann sei er aufgefordert worden, das Land zu verlassen und nach England gegangen.

Als ob das nicht schon unwahrscheinlich genug wäre, gibt es noch eine weitere Verbindung zwischen Alia Bhatt und Berlin. Ihr Großvater väterlicherseits stammte zwar aus Kaschmir, studierte aber Architektur in London und kam 1948 mit der Tanztruppe um Ram Gopal in die deutsche Hauptstadt. Er war damals 19 und spielte Geige. Im Schiller-Theater sei er aufgetreten, erzählt Alia Bhatt. Die Welt ist klein.