Nur vier von vierundzwanzig Wettbewerbsfilmen stammen von Frauen, mehr sind es auch in früheren Cannes-Jahrgängen nicht gewesen. Nimmt man aber nur die richtig guten Filme, sieht die Quote anders aus. Catherine Corsini und Mia Hansen-Love würden am kommenden Samstag jede auf ihre Art den Regiepreis verdienen: Corsini für ihren ins Tragikomische übersteigerten Pariser Kriegsfilm aus einem Krankenhaus während der Gelbwesten-Proteste. Und Hansen-Love für ihre federleicht-ausgesponnene Pilgerfahrt zu „Bergman Island“.

Die Ungarin Ildikó Enyedi, die 2017 mit„Körper und Seele“ die Berlinale gewann, überrascht mit dem äußerlich klassischen Liebesmelodram „Die Geschichte meiner Frau“. Doch so elegant die Verfilmung des Romans von Milán Füst über die tragische Liebe eines Schiffskapitäns ins Paris und Hamburg der 20er-Jahre führt, so kantenreich ist die Figurenzeichnung. Gijs Naber spielt den erzählenden Protagonisten, der aufgrund einer Wette die erste Frau heiratet, die sein Stammlokal betritt; Léa Seydoux, die nach einer Covid-Infektion mit vier Filmen allgegenwärtige Abwesende dieses Festivals, die Titelrolle. Enyedi fächert den Klassiker auf zu einem Exkurs über Männlichkeits- und Weiblichkeitskonzepte.

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