Berlin - Der Kampf ums Erbe ist ein Dauerthema des klassischen Krimis. Vor ein paar Wochen eskalierte im Schweizer „Tatort“ ein Streit um eine Schokoladenfabrik nach dem Tod des Prinzipals, vor gut einem Jahr führten die Kämpfe um die Zukunft einer Saarbrücker Textilfabrik in die Zwangsarbeit während der NS-Zeit zurück.

Der Freiburger Fall „Was wir erben“ kombiniert nun diese Motive: Es geht um eine Schokoladenfabrik, die während des Zweiten Weltkriegs Riegel für die Marine produzierte und von Zwangsarbeitern profitierte. Marie Anne Fliegel, die im Saarbrücker Fall noch als greise Rächerin zu sehen war, spielt diesmal das Opfer: Die Prinzipalin Elisabeth Klingler-Rathmann will gerade ihren Nachfahren erklären, dass sie ihre russische Gesellschaftsdame Elena Zelenko (Wieslawa Weselowska) geheiratet hat und dass sie ihr die Villa Klingler, den „Stammsitz“ der Familie, schenken will, da bricht sie auf der Treppe zusammen und stirbt kurz darauf im Krankenhaus.

Differenzen werden nie krampfhaft forciert

Sogleich verdächtigen ihre Nachfahren, die hier erbtechnisch mit dem wunderschönen deutschen Wort „Abkömmlinge“ zusammengefasst werden, die unerwartete Erbkonkurrentin. Eine „dahergelaufene Russin“ nennt sie der verkommene Sohn, eine „manipulative Hexe“ die herrschsüchtige Tochter. Regisseurin Franziska Schlotterer hat sich bei ihrem Erbdrama von Claude Chabrol inspirieren lassen und führt die Abkömmlinge als „kultivierte Scheusale“ vor.

Jenny Schily und Jan Messutat wetteifern als Geschwisterpaar darum, wer intriganter und gemeiner ist. Trotz guter Schauspieler bleibt der Kampf ums Erbe insgesamt aber Standard, immerhin eingebettet in aktuelle Debatten wie den Umgang mit dem Erbe aus Nazizeiten. Doch anders als in den „Tatorten“ aus dem Saarland oder der Schweiz agiert im Schwarzwald mit Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner ein eingespieltes Kommissar-Duo, dem man selbst bei der Verfolgung von Eierdieben gern zusehen würde.

Franziska Tobler und Friedemann Berg diskutieren eher nebenbei die Prinzipien des Erbens, die dazu führen, dass Reiche immer reich bleiben. Doch ihre Differenzen werden nie krampfhaft forciert, sondern eher angedeutet. In einer prägnanten Nebenrolle ist Christoph Jungmann als Notar zu erleben, ein Held der Berliner Kleinkunst. Im Kreuzberger Mehringhoftheater moderierte er als Angela Merkel über zwanzig Jahre lang die legendären satirischen Jahresrückblicke.

Tatort: „Was wir erben“ – So, 25.4., 20.15, ARD

Wertung: drei von fünf Punkten

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