HBOs Videospieladaption „The Last of Us“: Wozu noch diese Welt retten?

Es ist mal wieder Pandemie, und alle beißen sich durch. Ob das Serienjahr nach dieser Zombie-Erzählung noch besser werden kann, ist fraglich.

Ein Bett im Moosfeld ist schon Luxus in der postapokalyptischen Welt von „The Last of Us“.
Ein Bett im Moosfeld ist schon Luxus in der postapokalyptischen Welt von „The Last of Us“.HBO

Die Zombie-Apokalypse war schon vor der Corona-Pandemie ein bewährtes Setting für soziologische Gedankenexperimente. Und doch schaut man heute anders darauf – mit der gelebten Erfahrung, dass von einem auf den anderen Tag die Welt tatsächlich eine andere sein kann und niemand so recht vorauszusagen vermag, wie es weitergeht. „Keine Medizin und keinen Impfstoff wird es geben“, prophezeit ein rauchender Wissenschaftler im Auftakt von „The Last of Us“ über potenziell drohende Pandemien, die nicht etwa von Viren, sondern von Pilzen ausgelöst werden könnten. Das reale Vorbild: Ophiocordyceps unilateralis, ein Fungus, der auf Ameisen wächst und dem krabbelnden Wirt seinen Willen aufzwingt. Der Wissenschaftler aus den 60er-Jahren behält natürlich recht, auch weil sich das Klima wandelt, und im Serienjahr 2003 geht es der Menschheit an den Kragen.

Zwanzig Jahre später leben die wenigen Menschen, die noch übrig sind, in abgeriegelten Gemeinschaften zusammen. Wer hier gegen die Regeln verstößt, also zum Beispiel unerlaubt in offenes Gelände wandert und damit eine Infektion riskiert, wird öffentlich erhängt. Lebenswichtiges ist rar – Nahrung, Medikamente, Technik, manches davon schaffen Schmuggler heran. Einer davon ist Joel (Pablo Pascal), ein ehemaliger Handwerker, der in der Nacht, als die Pilze zu wüten begannen, seine halbwüchsige Tochter verlor. Wohl auch deshalb wehrt er sich, als die Anführerin einer Rebellengruppe, die das autoritäre Regime stürzen will, ihn zu einem besonderen Auftrag überreden will. Er soll die 14-jährige Ellie (Bella Ramsey) zu Ärzten in der Ferne bringen, auf dass diese herausfinden mögen, wieso das Mädchen, als einziger bisher bekannter Mensch, immun gegen die dominanten Pilze zu sein scheint.

„The Last of Us“ basiert auf dem gleichnamigen Videospiel, einem der erfolgreichsten aller Zeiten. Game-Adaptionen haben bekanntlich einen schlechten Ruf, was allerdings nicht auf ein immanentes Problem in der Überführung vom interaktiven ins passiv zu rezipierende Medium zurückzuführen ist, sondern schlicht darauf, dass es viele schlechte Adaptionen gibt. Tatsächlich sind viele Spiele episodisch aufgebaut und bieten sich allein deshalb für das Serienformat an – dass die meisten davon erzählerisch enttäuschen, ist ein anderes Problem.

Pilzmenschenhirne spritzen nur sporadisch

Diese Vorlage allerdings begeisterte bei ihrem Erscheinen 2013 auch mit ihrer Geschichte und ihren Charakteren, die für das Medium herausragend komplex und emotional daherkamen. Auch den Serienableger in die Hände von Neil Druckmann zu geben, als Autor und Creative Director für das Spiel verantwortlich, war also folgerichtig. Ihm zur Seite stand der amerikanische Autor und Regisseur Craig Mazin, der für HBO schon die grandiose Serie „Chernobyl“ (2019) entwickelt hat und daher Experte für die Inszenierung unsichtbarer Gefahren ist. Und um solche geht es in „The Last of Us“ – eher sporadisch spritzt auch mal ein Pilzmenschenhirn.

Die Entscheidung, Joel und Ellie mit den Darstellern von zwei der beliebtesten Figuren aus „Game of Thrones“ zu besetzen, die in der Fantasy-Serie unvergessliche Heldentode starben, dürfte viele Zuschauer von Beginn an positiv stimmen. Nötig sind die Vorschusslorbeeren nicht: Ramsey überzeugt ab ihrer ersten Szene als mutiger Rohrspatz, der viel zu schnell erwachsen werden musste, und Pascal als ihr Begleiter wider Willen, der seine Verlustängste mit unwirschen Ansagen überspielt. Die emotionale Fallhöhe für diese beiden ist hoch. Als Begleiter und Beschützer eines auserwählten Geschöpfes hat Pascal aus seiner Hauptrolle in der „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“ übrigens schon ausreichend Erfahrung – was viele vielleicht nicht wissen, weil er dort seinen Helm nicht absetzen darf.

Spuren aus einer zerstörten Zivilisation: In einem Auto oder gar Flugzeug saß Ellie (Bella Ramsey) noch nie.
Spuren aus einer zerstörten Zivilisation: In einem Auto oder gar Flugzeug saß Ellie (Bella Ramsey) noch nie.HBO

Joels und Ellies Reise durch das verwaiste Neuengland ist lang, und so wird sie auch erzählt – manche der insgesamt neun Folgen haben fast Spielfilmlänge. Darin begegnen sie Menschen, die sich sehr unterschiedlich in ihrem postapokalyptischen Leben eingerichtet haben. Einer davon ist der Prepper Bill (Nick Offerman), dessen Geschichte der Regisseur Peter Hoar als eine der wohl anrührendsten Serienepisoden erzählt, die je gedreht wurden. Zu beobachten, wie sich mit diesen Begegnungen Ellies und Joels Motivation für ihren Auftrag entwickelt – weg von rein persönlichen Beweggründen hin zu einem echten Interesse an einer Rettung der Welt, weil in ihnen die Hoffnung aufkeimt, dass es sich lohnen könnte – ist der große Reiz dieser Serie.

The Last of Us. Serie, 9 Folgen, ab 16. Januar bei Sky und WOW