„Jurassic Park“ revolutionierte 1993 die Filmwelt. Nie zuvor hatte man prähistorische Tiere dermaßen echt über die Leinwand stampfen sehen. Heute sind am Computer animierte Geschöpfe keine Seltenheit mehr. Einer, der schon bei der ersten Stunde dieser Filmreihe dabei war, ist Jeff Goldblum (69). Als Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm ist der amerikanische Schauspieler nun auch im sechsten und letzten Teil „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ (ab 8. Juni im Kino) wieder mit dabei, um sich von T-Rex und anderen Urviechern jagen zu lassen. Goldblum ist seit fast 50 Jahren im Filmgeschäft, spielte anfangs Nebenrollen in „Ein Mann sieht rot“ und „Der Stadtneurotiker“. Der Durchbruch kam 1986 mit „Die Fliege“, gefolgt von weiteren Erfolgen wie „Independence Day“ oder „Grand Budapest Hotel“. Zur Deutschlandpremiere von „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ kam der charismatische Amerikaner nach Köln, wo wir ihn getroffen haben.

Herr Goldblum, Sie sollen sich jeden Morgen zuerst zum Spielen an ein Piano setzen. Klappt das denn immer?

Zuhause immer, noch bevor die Kids zur Schule müssen. Ich übe aber auch mit meinen beiden Jungs, denn sie nehmen auch Klavierunterricht. Meine Frau Emilie und ich sorgen dafür, dass sie sich jeden Tag einmal dransetzen. Wenn ich unterwegs bin, ist natürlich nicht immer ein Piano in der Nähe. Aber ich komme gerade aus London, und ob man es glaubt oder nicht, die hatten in der Hotelsuite tatsächlich ein Instrument, an dem ich spielen durfte. Hier in Köln hat es auch geklappt für eine Stunde.

Warum ist Ihnen das Klavierspielen so wichtig?

Ich finde Musik an sich sehr stimulierend, aber wenn ich selber spielen darf, ist mein Tag gerettet. Ja, das ist schon eine Art von Meditation und hat auch etwas damit zu tun, mich zu disziplinieren. Mein Ziel ist es, mit jedem Tag besser zu werden. Mit meiner Band The Mildred Snitzer Orchestra trete ich auch auf, wir haben schon in vielen großen Konzertsälen von Tausenden von Menschen gespielt.

dpa
Zur Person

Jeff Goldblum, geboren 1952 in Pittsburgh, ging mit 17 nach New York, um Schauspieler zu werden. Seine Schauspielausbildung machte er an der Neighbourhood Playhouse School of Theatre.1986 wurde Goldblum mit seiner Hauptrolle in dem Film „Die Fliege“ bekannt.

Warum heißt Ihre Band The Mildred Snitzer und nicht The Jeff Goldblum Orchestra?

Wir sind natürlich kein Orchester, sondern fünf Musiker, die nur so zum Spaß und ohne Namen unter dem Radar aufgetreten sind. Dann wurden wir aber zum Jazz Festival in die „Hollywood Bowl“ eingeladen, zu dem auch ein Programm erscheinen sollte. Wir brauchten also dringend einen Namen, und ich kam ziemlich schnell auf den Namen Mildred Snitzer, der sehr lustig ist. Das war der Name einer älteren Dame aus Pittsburgh, eine Freundin meiner Familie, die über 100 Jahre alt wurde.

Sie traten 2018 sogar im Berliner Admiralspalast auf. Wie wäre es mit einer richtigen Tournee durch Deutschland?

Liebend gern! Berlin hat echt Spaß gemacht, die Leute waren großartig. Dennoch strebe ich jetzt keine Zweitkarriere als Musiker an. Ich wollte immer Schauspieler werden, freue mich aber, wie in „Lush Life“ auch mal einen Musiker zu spielen.

Chris Pratt, Ihr Filmpartner aus „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“, spielt übrigens auch ganz gut Klavier.

Chris Pratt? Wirklich? Das hat er mir nie erzählt. Ich wusste nur, dass er gut Gitarre spielen kann. Der Mann ist phantastisch und scheint ja ein echtes Multitalent zu sein.

Bleiben wir beim Spielen. Haben Sie als Kind schon mit Dinosauriern spielen können?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht, aber jetzt, wo Sie fragen, erinnere ich mich an meine Schulzeit. Da gab es einen Candy-Shop, in dem alles Mögliche verkauft wurde, und ich glaube mich zu erinnern, dass da ein Sideboard war, auf dem kleine bemalte Dinosaurier standen. Wahrscheinlich hatte ich mir mal einen davon gekauft, aber ich weiß es nicht mehr.

Dinosaurier scheinen Sie nicht so sehr beeindruckt zu haben.

Moment! Dafür weiß ich noch ganz genau, dass ich einmal in der Woche für einen Kunstkurs im Carnegie Museum of Natural History außerhalb Pittsburghs war, wo es damals, vielleicht auch noch heute, die größte Sammlung von Dinosaurier-Knochen gab, sogar das zusammengefügte Skelett eines T-Rex – faszinierend!

Ihre beiden Söhne sind mit fünf und sieben Jahren gerade im richtigen Alter, um Dinosaurier zu lieben, oder?

Absolut! Die sind ganz verrückt danach, ohne zu wissen, dass ich in diesen Filmen mitgespielt habe. Sie waren überhaupt noch nicht im Kino, aber wir werden uns mit ihnen jetzt den neuen „Jurassic World“ dort ansehen. Klar werden sie ein bisschen Angst haben wie bei „Jurassic Park“, den ich ihnen auch schon im Fernsehen gezeigt habe. Aber nicht schlimm, wenn sie danach wieder mit ihren Lego-Dinosauriern spielen können.

Spielen Sie da als Papa manchmal mit?

Wir haben einen riesigen hellblauen Plüsch-Dinosaurier und einen kleineren Gummi-T-Rex. Mit dem wird dann gekämpft und ich nehme den blauen Saurier am Schwanz und schleudere damit herum. Ja, das gefällt ihnen.

Mal ehrlich, es wäre nicht wirklich wünschenswert, wenn Menschen und Dinosaurier auf unserem Planeten koexistieren müssten, oder?

Im Film sind wir dem ja so nah wie möglich gekommen. Wir tun ja so, als wäre das wahr. Das war schon eine eindringliche Erfahrung, so zu tun, als könnte man im nächsten Augenblick sterben. Meine Figur Ian Malcolm würde natürlich sagen, dass es ein Fehler war, diese bereits ausgestorbenen Tiere wieder zurückzubringen. Aber wir leben auch heute mit gefährlichen Tieren. Wer weiß denn schon, wie man sich verhält, wenn man im Wald auf einen Bären trifft?

Vor welchen Tieren fürchten Sie sich im wirklichen Leben am meisten?

Mir machen alle Tiere Angst, die größer sind als ich, die ich nicht kenne oder die mich in Alpträumen verfolgen. Keine Ahnung, aber sie gibt es und wir müssen auch lernen, mit ihnen zu koexistieren. Ich kann nur sagen, dass alle Geschöpfe auf der Erde schön sind und ein Recht darauf haben, hier zu sein. Wir müssen mit ihnen friedvoll auskommen, sie nicht verletzen, sie uns aber auch nicht.

Sie spielen wieder den berühmte Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm, der sagt, dass alles unvorhersehbar und vom Zufall abhängig sei. Denken Sie tatsächlich so oder glauben Sie eher daran, dass alles schicksalsgleich vorbestimmt ist?

Von der Chaostheorie hörte ich das erste Mal, als ich mich für „Jurassic Park“ auf meine Rolle vorbereitete. Sie wird in dem gleichnamigen Roman von Michael Crichton erwähnt, aber ich habe dazu auch noch andere Literatur gelesen. Ich weiß nicht, was aktuell in der Wissenschaft davon gehalten wird, aber gewiss war es wert, darüber mal nachzudenken. Aber was weiß ich schon.

Okay, wie wichtig ist Religion für Sie?

Religion! Warum fragen Sie?

Sie sind Jude, und in Deutschland wurden Juden während der NS-Zeit verfolgt und ermordet. Wie würden Sie mit diesem Hintergrund Ihr Gefühl zu Deutschland beschreiben?

Dazu kann ich nur sagen, dass ich immer eine großartige Zeit hatte, wenn ich Deutschland besucht oder hier gearbeitet habe. Ich war einige Male auf dem Internationalen Filmfestival Berlin. Ich will hier jetzt keine großen Botschaften verkünden, denn meine Assoziationen und Gefühle sind die, dass ich in Deutschland immer freundlich und respektvoll behandelt wurde.

Wie erinnern Sie sich an die Dreharbeiten zu „Jurassic Park“ vor 30 Jahren?

Ich weiß noch, wie ich Steven Spielberg das erste Mal in Burbank zur Drehbuchbesprechung und Kostümprobe traf. Danach flogen wir alle zusammen nach Hawaii, wo wir zwei Wochen drehten. Doch dann brach ein heftiger Hurrikan aus, der Sets zerstörte und tatsächlich auch unser Leben bedrohte. So etwas vergisst man nicht.

Die Dreharbeiten zu „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ wurde von der Pandemie überschattet und mussten teilweise pausieren. Wie erging es Ihnen damit?

Glücklicherweise musste ich während der Pandemie gar nicht so viel Zeit im Lockdown verbringen, denn ich glaube, wir waren das erste Filmprojekt, das sich daran gewagt hat, die Dreharbeiten wieder aufzunehmen. Unsere Produzenten entwarfen als erstes diese Protokolle zur Bekämpfung der Ausbreitung des Virus am Set. Diese wurden dann später auch von anderen Produktionen übernommen. In gewisser Weise haben wir da also Pionierarbeit geleistet. Ansonsten war ich die ganze Zeit nur beschäftigt und wurde millionenfach  getestet.

Sind Sie eigentlich noch nervös, wenn Sie wieder bei einem Blockbuster wie „Jurassic World“ dabei sind?

Ich würde sagen, ich bin wachsamer als zuvor, weil ich keinen enttäuschen will, schon gar nicht die Fans, die ihre Erwartungen haben. Da ist eine andere Nervosität entstanden als vor 30 Jahren, wo ich mich noch fragte: Kriege ich das hin, werde ich Spielberg überzeugen können? In dieser Hinsicht bin ich heute entspannter, aber ich denke: Hoffentlich geht das auf! Es ist immer eine Herausforderung, wenn man kreativ arbeitet.

Kürzlich haben Sie Aufmerksamkeit erregt, weil Sie auf einer Prada-Show in Mailand als Model über den Laufsteg stolzierten. Wie kam es dazu?

Das war purer Spaß! Ich war zuvor wirklich nur einmal auf einer Fashion-Show, auch in Mailand präsentiert von Armani, wo ich zwischen Sophia Loren und Claudia Cardinale saß. Das war aufregend. Als ich nun selber gebeten wurde, mir modische Kleider anzuziehen und sie zu präsentieren, empfand ich das als Privileg. Außerdem gefiel mir die Kollektion von Raf Simons, und mein Kollege Kyle MacLachlan war auch dabei. Da hatten wir alle eine gute Zeit.

Zum Glück tragen Sie im letzten Film noch einmal eine schwarze Lederjacke wie vor 30 Jahren in „Jurassic Park“. Schwarz tragen Sie auch privat gern. Wie kam es zu diesem Stil?

Als Kind sah ich mir im Fernsehen sehr genau an, wie sich die Leute kleiden. Ich erinnere mich daran, dass Mitte der 60er-Jahre Sammy Davis Jr. mit einer Lederjacke aufgetreten ist. Ich hatte mir dann eine billige Version davon angeschafft und ging damit zur Schule, wo kein anderer eine solche Jacke trug. Das gefiel mir. Als ich dann Schauspielunterricht nahm, lernte ich, dass auch das Äußere etwas über einen Menschen sagt. Die Schuhe, die er trägt, die Farben, die er sich aussucht. Seitdem habe ich mich dafür sensibilisiert, wie ich mich kleide.

Am 22. Oktober feiern Sie Ihren 70. Geburtstag. Freuen Sie sich darauf oder macht Ihnen das eher zu schaffen?

In gewisser Weise ist es nur eine Zahl, aber alles, was damit kommt, umarme ich – na klar!