Stellen Sie sich vor, es ist wieder Kino und der Saal ist voll. Auch wenn bei der Eröffnungsgala in Cannes am Dienstagabend Maskenpflicht herrschte, war es doch fast ein Bild wie aus alten Tagen. Die Saalkameras konnten jedenfalls nicht genug bekommen von der Vogelperspektive auf das rappelvolle Auditorium. Den wahren Hingucker aber lieferte ihnen Leos Carax, der streitbare Maverick des französischen Autorenfilms, als die Lichter wieder angingen. Inmitten des stehend applaudierenden Publikums gönnte er sich eine Zigarette, um sie dann lässig an Hauptdarsteller Adam Driver weiterzureichen.

Mit seinem Musical „Annette“ hatte er Programmchef Thierry Frémaux die wohl begehrteste Rarität im internationalen Festivalgeschäft beschert – den perfekten Eröffnungsfilm: Großes Kino in jedem Augenblick, trunken vom Erbe des alten Hollywood und seinem schwelgerischen Leinwandzauber. Aber zugleich doch allergisch gegen Zuckersoße: Die ungleiche Liebesgeschichte eines für seinen Sarkasmus gefeierten Komikers (Adam Driver) und einer etherisch-engelhaften Chanteuse (Marion Cotillard) schmeckt eher wie Schokolade, die man mit Pfeffer bestreut hat.

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