Was bei pubertierenden Jungs der Schwanzvergleich ist, ist in der Filmindustrie der Vergleich der Einspielergebnisse an den Kassen nach dem Kinostart. Beides eigentlich nicht die Sache des Feuilletons, das Schwänze fast nie und kulturindustrielle Hervorbringungen wenn überhaupt allein ästhetisch gewichtet. Außer manchmal.

In Amerika und Kanada sind am letzten Wochenende gegeneinander angetreten: der 1955 in Stuttgart-Obertürkheim geborene Roland Emmerich gegen Johnny Knoxville, geboren 1971 als Philip John Clapp Jr. in Knoxville, Tennessee. Emmerich bringt es nach Auszählung an den Boxoffices auf nicht einmal die Hälfte!

Paramount Pictures
Johnny Knoxville wird in „Jackass Forever“ auf die Hörner genommen.

Ist Schadenfreude angebracht, wenn Highend-Katastrophenfilme auf der einen Seite und billige Trash-Stunts auf der anderen Seite das Thema sind? 140 Millionen Dollar hat „Moonfall“ gekostet, es geht schon wieder um das bevorstehende Ende der Welt, die diesmal von ihrem eigenen Trabanten bedroht wird. Wenn ein Feuilletonist den Trailer sieht, arretiert er vorher seinen Bürostuhl und nimmt noch einen Schluck Lavendeltee: eine Materialschlacht hanebüchenen Ausmaßes mit ein paar indiskutablen Dialogpointen. Zehn Millionen Dollar zahlte das Publikum in Übersee dafür.

Vorreiter in Mut und Ekel

„Jackass Forever“, der fünfte Langfilm der Jackass-Crew, die am Beginn des Jahrtausends auf MTV mit selbstgefährdenden Stunts und Ekelmutproben reüssierten und damit Vorreiter für viele bis heute beliebte Fernsehformate von „Dschungelcamp“ bis „Der Bachelor“ wurden, kostete lediglich zehn Millionen Dollar und spielte 23 Millionen Dollar ein. Auch hier strapaziert der Trailer das Nervenkostüm des Feuilletonisten. Ehrlich gesagt, hat er lieber schnell ausgemacht, als gleich in der ersten Einstellung ein Babyalligator einem der Unerschrockenen auf der Brustwarze herumkaut.

Neidlos hinnehmen muss man in der Woche, in der die Berlinale beginnt, dass im Unterschied zu den meisten beim Festival versendeten Kunstwerken, beide Damage-Formate lukrativ sind. Das Publikum kommt und zahlt, weil es bekommt, wofür es bezahlt. Alles, was das Feuilleton beizusteuern hätte, ist längst gesagt worden, denn sowohl Emmerich als auch Knoxville machen auf ihren Gebieten seit Jahrzehnten einfach immer dasselbe. Und weil der Kulturberichterstattung nichts anderes übrig bleibt, stürzt sie sich eben auf den Schwanz-, pardon Zahlenvergleich.