Das Leben hat sich zurückgezogen. Der Teil der Wüste, in dem sich amerikanisches in mexikanisches Staatsgebiet verwandelt, ist ein Niemandsland geworden. Nur die Verzweifelten versuchen, es zu überqueren, versuchen, den bewaffneten US-Bürgermilizen und den Bomben der Airforce zu entkommen, die die Wüste als Manövergebiet nutzt, in dem Attrappen von Moscheen und Bungalows zu Staub geschossen werden. Aus der Ferne betrachtet, erscheint dieser letzte, äußere Rand Arizonas wie eine geografische Metapher für den moralischen Verfall des Staates, vor dem Allie Fox (Justin Theroux) und seine Familie in Richtung Südamerika fliehen.

Zeigte die erste Adaption von Paul Theroux’ Roman „Mosquito Coast“ von Peter Weir noch eine aus viel Dialog, rhetorischer Konfrontation und mechanischem Erfindergeist gebastelte Zivilisationskritik, bleibt das Utopia, das Protagonist Allie Fox für sich, seine Familie und eine kleine Gruppe Einheimischer entwirft, in der Serienadaption eine stets hinter dem Horizont liegende Wunschvorstellung. Statt den eigenen Lebensentwurf fernab der Zivilisation zu verwirklichen, wie die in der ersten Verfilmung von Harrison Ford verkörperte Version des genialen Erfinders es mit der Kraft des eigenen Verstandes und den helfenden Händen der Einheimischen im afrikanischen Dschungel tut (ein durchaus auch kolonialistisch lesbares Unterfangen), kommt der zeitgenössische Allie Fox (gespielt von Justin Theroux, dem Neffen des Romanautors) gar nicht mehr dazu, sich eine eigene Welt aufzubauen.

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