Berlin - Es sollte eine Traumhochzeit werden. Friedrich Wilhelm Murnau verfilmt „Faust“, den deutschesten aller Stoffe, mit Emil Jannings als Mephisto. Als Autor für die Zwischentitel wurde niemand geringeres als Gerhart Hauptmann verpflichtet – er hatte 1912 den Nobelpreis für Literatur erhalten und galt quasi als Statthalter Goethes auf Erden. Aber es kam anders. Murnaus 1926 veröffentlichte „Faust“-Adaption gehört zwar heute zum Kanon der deutschen Filmgeschichte, doch die Texte von Gerhart Hauptmann blieben bislang völlig unbekannt. Komplizierte Rechtsfragen und die Interventionen des Drehbuchautors Hans Kyser, vor allem aber kommerzielle Bedenken führten letztlich zum Abbruch der Zusammenarbeit. Bei Testvorführungen wurden seitens der Kinobetreiber (!) Bedenken laut, Hauptmanns Texte könnten das Publikum verschrecken. So fanden sich schließlich bei der Premiere im Oktober 1926 im Ufa-Palast am Zoo die Zwischentexte nur im Programmheft. Hauptmann schuf mit seinen Versen eine eigenständige literarische Ebene, die über die erklärende Funktion weit hinaus gingen. Gleich zu Beginn heißt es: „Ein Bildersturm, ein Wirbelwind, drin Dämonen und Geister zu Hause sind.“ Dieses Versprechen wird im Film, der keine Zeile von Goethe enthält, dann auch eingelöst.

Es ist das Verdienst des Filmmuseums München und seines Leiters Stefan Drößler, dass mit einer liebevoll editierten DVD nun Licht in das Dunkel dieser Entstehungsgeschichte gebracht wird. Anhand einer sorgfältig recherchierten Chronik im Beiheft werden auch die zynischen Produktionsmechanismen Hollywoods nachvollziehbar. Wir erfahren, dass der „Faust“ schon längere Zeit in den großen Studios von Hand zu Hand ging und Fritz Lang und Ernst Lubitsch als Regisseure vorgesehen waren. Mary Pickford wollte das Werk produzieren.

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