Berlin/Hamburg - Das hier ist Mistkram. Das hier auch. Und hier ist es richtig mistig. Der Sachverständige ist sich ziemlich sicher: Das Hausboot, das Musiker Olli Schulz (47) und Webdesigner Fynn Kliemann (32) gekauft haben, ist großer Mist. Es hat undichte Stellen, zu viel Rost, Schimmel. Umso mehr man freilegt, umso mehr findet man. „Ein Überraschungsei, das gefüllt ist mit Scheiße“, nennt es Schulz. Warum haben sich das die beiden Entertainer angetan?

Angefangen hat alles mit einem Artikel in der Bild-Zeitung von 2018. Olli Schulz, gebürtiger Hanseate und seit Jahren Wahlberliner, las, dass das Hamburger Hausboot des verstorbenen Musikers Gunter Gabriel verkauft wird. Kliemann aus Zeven, Niedersachsen erfuhr ebenfalls davon. Die Idee schwebte im Raum, es zu kaufen. Aber warum sollten sie?

Dann kam Gabriels Tochter Yvonne Koch auf sie zu, und der Deal war schnell gemacht. Was sie jedoch nicht wussten: Dass sie das Hausboot würden entrümpeln und grundsanieren müssen. „Die hätten das besser mal mit einem Sachverständigen gekauft“, sagt ihr 24-jähriger Bauleiter Max später. Er hat so recht.

Eine Messi-Bude, wie man sie noch nicht gesehen hat

Die Dokumentation „Das Hausboot “, die derzeit mit vier Folgen auf Netflix läuft, zeigt eine Messi-Bude, wie man sie zu Tine-Wittler-Zeiten noch nicht gesehen hat. Doch Kliemann und Schulz nehmen es recht locker. Fast zwei Jahre lang arbeiten sie mit Freunden am Boot, um daraus ein schwimmendes Studio zu bauen, das Henning May und Helge Schneider gefallen würde.

Foto: Brian Jakubowski
Das Hausboot von Gunter Gabriel muss saniert werden ...

Beratung bekommen sie von dem Musikproduzenten Moses Schneider, Meisterkoch Tim Mälzer und echten Bauprofis. Während Schulz dabei den mürrischen Geldgeber spielt, der jeden Sonntag Jan Böhmermann mit dem Podcast „Fest & Flauschig“ warten lassen muss, ist Kliemann der coole Handwerker, der für seine Fans immer wieder eine Instastory aufnimmt. Diese Medienschnipsel hat das Produzenten-Team von Kliemannsland letztlich mit den opulenten Handwerkeraufnahmen vermischt. Die Doku bekommt dadurch einen guten, modernen Anstrich.

Die meiste Arbeit hatte letztlich aber Bauleiter Max, dem es irgendwann auch reicht. Die Fetzen zwischen den Männern fliegen schneller als die Patina vom Deck. Und immer wieder rutscht einem sogar als Zuschauer ein „Mist“ raus. Genau das macht es wiederum so unterhaltsam! Die Protagonisten sind ehrlich, verpeilt, witzig – das Projekt eine einzige Schnapsidee. Die Macher bringen jedoch nicht nur die Arbeit am Boot voran, sondern entwickeln sich im Laufe der Doku weiter. Wer bis jetzt nichts mit Schulz und Kliemann anfangen konnte, mag sie spätestens nach dem Überraschungsei mit Scheiße.