„Geh nicht in den Park“ – diesen Satz hört Steven Harmon (Kevin Harrsion Jr.) von seiner Mutter (Jennifer Hudson) häufig. Im Park hängen Kriminelle ab, Leute, die mit Drogen dealen, stehlen. Steven soll bloß nicht auf falsche Gedanken kommen. Die Familie hat schließlich alles dafür getan, dass der 17-Jährige auf eine bessere Schule kommt als die meisten Kids in Harlem.

Doch als Steven für einen Schulkurs erneut einen Kurzfilm drehen muss – einen aufregenderen als seine lose Schwarz-Weiß-Erzählung – zieht es ihn raus, ins Grüne. Er filmt Skater, Passanten, den Feierabendverkehr und plötzlich King (Rakim Mayers, bekannt als Rapper A$AP Rocky).

Der deutlich ältere Junge spricht ihn auf dem Basketballplatz im Park an. Steven müsse ihn aufzeichnen, das wahre Leben in der Stadt porträtieren. King wedelt mit Geldscheinen, seine goldenen Ringe glänzen an den Fingern. Steven zückt das Handy und folgt ihm, Tag für Tag. Bis irgendwann die Polizei vor seiner Tür steht und ihn wegen eines Mordes verhaftet.

Walter Dean Myers' Jugendroman „Monster“ ist Grundlage

Das Spielfilmdebüt von Anthony Mandler, der bisher Musikvideos für Künstler wie Jay-Z, Rihanna und Lana Del Rey drehte, orientiert sich an dem 1999 erschienen Jugendroman „Monster“ von Walter Dean Myers und wurde erstmals auf dem Sundance Film Festival 2018 gezeigt. Anders als im Buch steht im Film einzig die Rolle des Steven im Fokus, King ist nebensächlich. Mandler zeigt aber auch nur anhand eines Protagonisten eindrücklich, wie schnell ein Jugendlicher auf  Abwege kommen und als Schwarzer verurteilt werden kann.

Netflix
King (Rakim Mayers) und Steven (Kevin Harrsion Jr.) sitzen mit ihren Anwälten vor Gericht.

Obwohl nicht alle Beweise eindeutig sind, ist Steven für die Beamten sofort schuldig. Der Anwalt der Gegenseite sagt seiner zugeteilten Verteidigerin (Jennifer Ehle) sogar, dass sie sich gleich auf einen Deal einigen sollten. Im Gerichtssaal wird er als Monster beschimpft. Ob der Junge wirklich jemanden getötet hat, interessiert nicht mal seine Mitgefangenen (unter anderem Rapper Nasir „Nas“ Jones). 

Erst zum Schluss löst Mandler das Rätsel um Schuld und Unschuld auch auf. Bis dahin erzählt er im Zickzack Stevens Geschichte nach, schwankt von vor dem Fall zum Gericht, wieder zurück und zum Beginn. Kevin Harrsion Jr., der zuletzt in dem Drama „Waves“ zu sehen war, glänzt in der Rolle eines Jungen, der irgendwann mit sich selbst hadert und die Welt wie in seinen Kurzfilmen betrachtet: schwarz-weiß.

Untermalt mit Musik von Santigold und The Persuaders sowie in opulenten Kameraaufnahmen ist Madler damit ein Debüt gelungen, das nachwirkt. Das nicht nur von schwarzen Jugendlichen, fragwürdigen Entscheidungen und Rechtsprozessen handelt, sondern vor allem von Vorurteilen und gegenwärtigem Rassismus. Am Ende fragt man sich als Zuschauer unweigerlich: Wieso ist das Realität?

„Monster! Monster?“ ist seit dem 7. Mai auf Netflix zu sehen