Gleich mit ihrem ersten Spielfilm „Las Niñas“ („Die Mädchen“) hat die spanische Regisseurin und Drehbuchautorin Pilar Palomero einen Coup gelandet: Der Film über die Erlebnisse einer Elfjährigen im Spanien Anfang der 90er-Jahre wurde bei der Verleihung der Goya-Preise in der Nacht zum Sonntag in Málaga als bester Film gekürt. Und nicht nur das: „Las Niñas“ erhielt außerdem die Preise in den Kategorien bestes Original-Drehbuch, beste Nachwuchsregie sowie beste Kameraführung.

Das Erstlingswerk von Pilar Palomero, die selbst das Drehbuch schrieb, hatte im vergangenen Jahr seine Weltpremiere bei den Berliner Filmfestspielen in der Sektion Generation gefeiert. 2017 besuchte Palomero den Kurs der Berlinale Talents. Die Coming-of-Age-Geschichte handelt von der Freundschaft von Schulmädchen und ihrem Aufbegehren gegen die konservative Atmosphäre ihrer Nonnenschule und der spanischen Gesellschaft vor drei Jahrzehnten. Im Jahr der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona und der Expo in Sevilla herrschte in Spanien Aufbruchstimmung.

Die Hauptfigur der Celia trägt autobiografische Züge der 40 Jahre alten Regisseurin. Den Menschen und auch ihr sei die spanische Gesellschaft in der Stadt Saragossa damals sehr offen und modern erschienen. „Erst als Erwachsene habe ich bei der Lektüre meiner Tagebücher gemerkt, dass wir damals Werte vermittelt bekommen haben, die sehr stark von der Machokultur geprägt waren“, sagte Palomero.

Der Preis für die beste Regie ging an Salvador Calvo für seinen Film „Adú“. Als beste Hauptdarstellerin wurde Patricia López Arnaiz für ihre Rolle in dem Film „Ane“ geehrt und Mario Casas erhielt für seine Darstellung des jungen Dani in „No matarás“ den Preis als bester Hauptdarsteller. Als bester europäischer Film wurde in Málaga bei der 35. Goya-Verleihung die britische Produktion „The Father“ des französischen Regisseurs Florian Zeller geehrt, der auch das vorangegangene Theaterstück gleichen Namens geschrieben hatte. Der Film mit Olivia Colman und Anthony Hopkins war auch bei den Golden Globes mehrfach nominiert.

Foto:  Future Image/ C. Niehaus
Pilar Palomero (rechts) und ihr Ensemble des Films „Las Niñas“ bei den 70. Internationalen Filmfestspielen Berlin am 23.02.2020; zur Berlinale fand die Weltpremiere statt.

Hollywood-Star Antonio Banderas führte im Teatro Soho in seiner südspanischen Heimatstadt durch den Galaabend. Die Preisverleihung fand wegen der Pandemie als Hybridveranstaltung statt. Neben Banderas traten lediglich mehrere spanische Filmstars und Persönlichkeiten wie Pedro Almodóvar oder Penélope Cruz persönlich auf, um den per Internet zugeschalteten Künstlern die Preise symbolisch zu überreichen. Nur die Sängerin und Schauspielerin Ángela Molina (65), die den Goya-Ehrenpreis für ihr Lebenswerk erhielt, durfte die Auszeichnung persönlich in Empfang nehmen. Zahlreiche internationale Filmstars wie Robert de Niro, Al Pacino, Dustin Hoffman, Nicole Kidman, Helen Mirren, Tom Cruise, Mel Gibson, Naomi Watts oder Emma Thompson schalteten sich online zu, um der von Corona gebeutelten Filmkunst und -industrie ihre Unterstützung auszusprechen.