Plagiatsvorwürfe gegen deutsche Netflix-Serie „1899“

Eine brasilianische Comickünstlerin mutmaßt bei Twitter über den Raub ihres geistigen Eigentums. Die Serienmacher streiten das ab. Was ist dran an der Sache?

Baran bo Odar und Jantje Friese in ihrer Produktionsfirma Dark Ways in Berlin Mitte.
Baran bo Odar und Jantje Friese in ihrer Produktionsfirma Dark Ways in Berlin Mitte.Hahn & Hartung

Seit dem 17. November ist „1899“ bei Netflix zu sehen, die neue Serie der deutschen Filmemacher Jantje Friese und Baran bo Odar, die mit „Dark“ riesige internationale Erfolg feiern konnten. Auch die Berliner Zeitung hat groß über die Entstehungsgeschichte von „1899“ berichtet. Bei den Netflix-Zuschauern scheint die Serie gut anzukommen – schon wenige Tage nach Veröffentlichung stieg sie in über 90 Ländern in die Top-10-Liste der meistgeschauten Titel ein. 

Nun hat am vergangenen Wochenende die brasilianische Comickünstlerin Mary Cagnin auf Twitter Plagiatsvorwürfe öffentlich gemacht. Sie schreibt: „Es ist alles da: Die schwarze Pyramide, die Todesfälle im Schiff, die multinationale Crew, die scheinbar seltsamen und unerklärlichen Geschehnisse, die Augensymbole und wann sie erscheinen. Rätselhafte Codes und Stimmen, subtile Handlungsdetails wie die persönlichen Dramen der Charaktere, einschließlich ihres mysteriösen Todes.“

In „1899“ ist ein Passagierschiff im titelgebenden Jahr mit internationalen Passagieren auf dem Weg nach New York. Als sie auf ein anderes Schiff stoßen, das Monate vorher aus unerklärlichen Gründen verschwand, entwickelt sich die Reise schnell zum übernatürlichen Horrortrip.

Die Parallelen sind da – aber dünn

Die Künstlerin postete bei Twitter Bilder, die sie auf einer Comic-Convention in Göteborg zeigen, dort stellte sie 2017 ihren Comic „Black Silence“ vor. Sie mutmaßte, dass ihre Idee von diesem Termin ausgehend an Friese und Odar gelangt sein könnte.

Jantje Friese, die Chefautorin von „1899“ stritt die Vorwürfe am Montagmorgen auf Instagram ab, nachdem Cagnins Tweet zehntausendfach geteilt wurde:

„Eine brasilianische Künstlerin hat behauptet, dass wir ihre Graphic Novel gestohlen haben. Um eines klarzustellen: Das haben wir nicht. Bis gestern wussten wir nicht einmal von der Existenz der Graphic Novel. Über zwei Jahre lang haben wir Blut, Schweiß und Tränen in die Schöpfung von 1899 gesteckt. Das ist eine originäre Idee und sie basiert nicht auf irgendeinem Quellenmaterial. Trotzdem wurden wir mit Nachrichten bombardiert – einige davon hässlich und verletzend. Jemand malt den Teufel an die Wand und alle machen mit und prüfen nicht einmal, ob die Vorwürfe stichhaltig sind. Natürlich, falls das eine Strategie ist, um mehr Graphic Novels zu verkaufen, dann: Gratulation.“

Jantje Friese hat ihr Instagram-Profil mittlerweile deaktiviert, wohl auch angesichts des massiven Shitsorms, der sich nach Cagnins Tweet online zusammengebraut hat.

„Black Silence“ kann online auf Englisch kostenlos gelesen werden. Die auf Twitter genannten Parallelen gibt es – doch um von einem Plagiat zu sprechen, dürften sie nach jetzigem Stand der Serienhandlung als deutlich zu dünn bewertet werden.

Baran bo Odar schrieb bei Instagram, man wolle Kontakt zu Mary Cagnin aufnehmen, in der Hoffnung, dass sie die Vorwürfe nach einer Aussprache zurücknähme. Danach sieht aktuell allerdings nicht aus. Wie die Künstlerin am vergangenen Montagabend bei Twitter verkündete, hat sie juristische Schritte eingeleitet.