Berlin - Selbst datenbesessene Fans werden kurz nachdenken müssen bei der Frage, welche Rolle in der Geschichte des deutschen Fußballs einst Beverly Ranger zukam. Sie spielte für den Bonner SC und die SSG Bergisch Gladbach, 1975 und 1977 hat sie jeweils einem der beiden Vereine zur deutschen Meisterschaft verholfen. Einen kurzen Moment der Berühmtheit aber erlangte die aus Jamaika stammende Spielerin, als sie mit einem Torerfolg für die Bonner 1975 bei der Wahl zum „Tor des Monats“ ausgezeichnet wurde. Ihr Solo quer durch den Strafraum der Gegnerinnen begeisterte die Zuschauer, wohl auch, weil es derart elegant herausgespielt war, als handele es sich um eine sorgsam einstudierte Choreografie.

Ehe Beverly Ranger die Medaille von der Sportschau-Legende Ernst Huberty entgegennehmen durfte, musste sie einen eingespielten Schlager über sich ergehen lassen, in dem von der Sonne und der schönen braunen Haut der Menschen auf Jamaika geschwärmt wurde. Man wird nicht so weit gehen müssen, Hubertys joviale Onkelhaftigkeit nachträglich als Rassismus zu geißeln. Das will Beverly Ranger auch nicht. Über das kuriose Intro zu ihrem sportlichen Preis wundert sie sich gut ein halbes Jahrhundert später immer noch mehr,  als dass sie sich darüber ärgert.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.