Sidney Poitier ist tot: Er bekam als erster schwarzer Schauspieler einen Oscar

„Lilien auf dem Felde“, „In der Hitze der Nacht“ und „Rat mal, wer zum Essen kommt“ zählen zu seinen bekanntesten Filmen.

Sidney Poitier (1927–2022)
Sidney Poitier (1927–2022)imago/Everett Collection

Sidney Poitier war der erste schwarze Schauspieler, der einen Oscar als bester Darsteller erhielt – für seine Rolle in „Lilien auf dem Felde“. Er war der zweite schwarze Mensch mit einer solchen Auszeichnung, nachdem Hattie McDaniel den Oscar als beste Nebendarstellerin in „Vom Winde verweht“ erhalten hatte. Und es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass er den Weg für schwarze Schauspieler in Hollywood geebnet hat. Er hat es wohl selbst so empfunden und das wird nicht immer leicht gewesen sein. „Ich fühlte mich, als würde ich mit jeder meiner Bewegungen Millionen von Menschen repräsentieren“, schrieb er einmal.

Sidney Poitier spielte den „kultivierten Schwarzen“ – das war ein Fortschritt

In den 1950er-Jahren war der 1927 in Miami geborene Sidney Poitier der einzige schwarze Darsteller, der von Hollywood als Star akzeptiert wurde, abgesehen von Harry Belafonte, der aber eher seine Sänger-Karriere verfolgte. Er spielte den „kultivierten Schwarzen“. Das war ein Fortschritt, wenn man an die herabsetzenden Rollen denkt, die Schwarze bis dahin spielten. Auch überwand Poitier diese Festlegung in Filmen wie „Flucht in Ketten“, in dem er an der Seite von Tony Curtis als geketteter Sträfling durch den Süden gehetzt wird, oder durch seine Repräsentation des rebellischen Schülers in „Saat der Gewalt“.

Seinen Oscar erhielt er 1964 für die Rolle des Handwerkers und Gärtners im Kloster deutscher Nonnen in „Lilien auf dem Felde“. In der Zeit der beginnenden Rassenauseinandersetzungen der 1960er-Jahre kann man dies als einen Tribut Hollywoods an die Entwicklungen verstehen. Zeitlos geworden sind die Krimis, die Poitier als Virgil Tibbs, Detektiv aus Philadelphia, im rassistischen Süden, drehte: „In der Hitze der Nacht“ an der Seite von Rod Steiger als Sheriff und zwei Fortsetzungen, in denen Poitier seine Darstellung des moralisch integren Mannes, der Ungerechtigkeit mit ruhiger Vernunft begegnet, ausbauen konnte.

In „Rat mal, wer zum Essen kommt“ spielt Poitier einen Arzt, dessen Schwarz-Sein die liberalen Prinzipien seines künftigen Schwiegervaters (Spencer Tracy) infrage stellt. 1988 feierte er mit dem Thriller „Mörderischer Vorsprung“ und dem Agentenfilm „Little Nikita“ ein Comeback als Darsteller. 2002 erhielt er den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk.

1980 erschienen seine Memoiren, die unter dem Titel „Mein Vermächtnis“ 2001 auch auf Deutsch erschienen sind. Oprah Winfrey kürte das Buch zum Lesetipp ihres TV-Buchklubs – ein Zeichen der Verehrung. In den 1950er-Jahren unterstütze Poitier eine Stiftung, die es afrikanischen Studenten ermöglichte, in den USA zu studieren. Einer der Stipendiaten war der Kenianer Barack Obama, dessen Sohn mit dem gleichen Namen später Präsident der USA wurde. Ein Kreis schloss sich, als 2007 Obama Junior Poitier mit der Medal of Freedom auszeichnete.

Wie am 7. Januar bekannt wurde, ist Sidney Poitier am 6. Januar im Alter von 94 Jahren gestorben.