Sönke Wortmanns „Der Nachname“: Konfliktlösung auf Glückskeksniveau

In der Fortsetzung von „Der Vorname“ gibt es wieder Familienzoff, diesmal auf Lanzarote. Am Ende steht eine simple Lösung. Unser Autor schlägt etwas anderes vor.

Vielleicht hilft ja Sport:&nbsp;<a href="https://www.filmstarts.de/personen/101139.html">Caroline Peters</a>, <a href="https://www.filmstarts.de/personen/82316.html">Justus von Dohnányi</a>,&nbsp;<a href="https://www.filmstarts.de/personen/23482.html">Iris Berben</a>, <a href="https://www.filmstarts.de/personen/802514.html">Janina Uhse</a>&nbsp;spielen Familienmitglieder im Clinch.
Vielleicht hilft ja Sport: Caroline Peters, Justus von Dohnányi, Iris Berben, Janina Uhse spielen Familienmitglieder im Clinch.Constantin Film Verleih

Sönke Wortmann will mal wieder das Bildungsbürgertum aufs Korn nehmen. Vor vier Jahren ist ihm das mit dem Film „Der Vorname“, dem Remake eines französischen Theaterstücks von 2010, schon in Ansätzen geglückt. Bei seiner Fortsetzung „Der Nachname“ versinkt er nun aber im Sumpf des Milieus, über das er sich eigentlich erheben will.

Kompliziert war die Handlung auch schon im ersten Teil: Nachdem der reiche, aber kulturlose Makler Thomas (Florian David Fitz) seiner Familie vorgaukelt, seinen Sohn Adolf nennen zu wollen, kommt es zum Eklat. Besonders der verstockte, linksliberale Professor Stephan (Christoph Maria Herbst) sieht seinen Schwager damit am Fundament der deutschen Kultur rütteln. Als der Konflikt sich gerade aufzulösen scheint – der Sohn soll in Wahrheit Paul heißen –, treten zig weitere Familienprobleme auf. Der Höhepunkt: Adoptivbruder René (Justus von Dohnányi) befindet sich seit einigen Jahren in einer Beziehung zu seiner Ersatzmutter Dorothea (Iris Berben), der echten Mutter von Thomas und Stephans Frau Elisabeth (Caroline Peters). In der neuesten Komödie von Sönke Wortmann erfährt man nun: Die Beziehung hat gehalten, es geht also weiter mit den Endloskonflikten.

Die sind nicht weniger pseudo-existenziell als im ersten Teil. Diesmal begibt sich die Familie, inklusive Thomas’ Freundin Anna (Janina Uhse), nach Lanzarote. In dem Ferienhaus der Familie leben Dorothea und René, die große Neuigkeiten verkünden: Die beiden haben geheiratet und Dorothea hat auch noch seinen Nachnamen angenommen. Die Geschwister sind aufgebracht, schockiert, angeekelt. Trotz der übertriebenen Reaktion bildet der Konflikt nur den Auftakt für weitere Krisen, denen sich die Familie im Urlaub stellen muss: Nicht nur die Verteilung des künftigen Erbes spielt eine Rolle. Auch eine vermeintliche Affäre von Stephans Frau Elisabeth, die Kinderpläne von René und Dorothea und Erektionsprobleme des eigentlich in der Blüte seines Lebens stehenden Maklers Thomas kommen auf den Tisch. Für eine neue Figur bleibt da eigentlich kein Platz, am Rande tritt sie dennoch hinzu: Lucia (Elena Sancho Pereg) kümmert sich um den Weinanbau am Ferienhaus. Aber – und das ist nun nicht leicht zu erklären – da sie außerdem lesbisch ist und ein Kind möchte, will sie mit René ein Kind zeugen, um es dann gemeinsam mit ihm und Dorothea aufzuziehen. Wieder einmal sind die Geschwister, wie soll es auch anders sein, schockiert. Letztlich geht auch dieser Skandal im Meer der Anfeindungen und Konflikte unter.

Den Rahmen der Erzählung bildet ein Off-Kommentar von Dorothea: Mit Glückskekssprüchen sollen die endlos hochgedrehten Spannungen in der Familie aufgelöst werden. Ironisch ist lediglich die Lehre des Films: Die betont entspannte Patriarchin erklärt den gekränkten Familienmitgliedern, dass es doch nur um Ehrlichkeit gehe. Alle Probleme wären keine, würden sie mehr miteinander kommunizieren. Dabei zeigt der Verlauf des Films das genaue Gegenteil: Hätten alle einfach die Klappe gehalten, hätten sie einen schönen Urlaub auf Lanzarote verbringen können.

Wertung: 1 von 5 Punkten

Der Nachname, Spielfilm, 87 Minuten, ab 20. Oktober im Kino