Ins deutsche Bildgedächtnis hat sich der ungarische Animationsfilm in Gestalt populärer Fernsehserien eingeschrieben: „Gustav“, „Arthur der Engel“, „Adolars phantastische Abenteuer“. Die waren im Stil klassischer Zeichentrick-Traditionen gefertigt: bunt und freundlich, in Maßen frech, oft etwas didaktisch. Aber im Pannonia-Studio, das 1956 gegründet wurde und in seinen besten Zeiten rund dreihundert fest angestellte Fachleute beschäftigte, gab es auch eine andere Art von Kunst. Gedreht von Avantgardisten, die fest daran glaubten, das Wesen der Animation sei Freiheit und ihre Möglichkeiten seien unbegrenzt.

Marcell Jankovics, Jahrgang 1941, ist dafür ein herausragendes Beispiel, und es kann gar nicht genug gepriesen werden, dass das Label Bildstörung drei seiner Filme zum ersten Mal auf DVD herausbringt. Den mit schwarzer Tusche gezeichneten, nur zwei Minuten langen „Sisyphus“ (1974), der im Gegensatz zur antiken Sage nicht die Vergeblichkeit jeder menschlichen Mühe beschwört, sondern den Erfolg: Der große Stein, den ein Mann mit letzter Anstrengung nach oben rollt, bleibt auf der Spitze des Bergs liegen und thront dort wie ein Halbmond; der Held hüpft derweil frohgemut wieder nach unten. Wurde dieser Film für den Oscar nominiert, so gewann „Der Kampf“ (1977) die Goldene Palme in Cannes. Eine vielseitig auslegbare, mit Fettstift gezeichnete Allegorie: Ein Bildhauer formt aus einem Stein einen Menschen; dieser wird lebendig und beginnt, nun seinerseits den Künstler zu formen, bis zu dessen Tod.

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