„18 Jahre Angst“: Stranger-Things-Darsteller Noah Schnapp hat sich geoutet

Seine Serienfigur hat sich in der aktuellen Staffel als schwul geoutet, nun zieht Darsteller Noah Schnapp nach. 

Noah Schnapp 2022 bei der Premiere der vierten Staffel „Stranger Things“
Noah Schnapp 2022 bei der Premiere der vierten Staffel „Stranger Things“AP/Evan Agostini/Invision

So manche Fans dürften schon eine Weile auf die Nachricht gewartet haben: Noah Schnapp ist schwul. Das hat er nun auf der Videoplattform TikTok verkündet: „Als ich endlich meinen Freunden und meiner Familie gesagt habe, dass ich schwul bin, nachdem ich 18 Jahre lang Angst davor hatte, sagten sie: ‚Wir haben es gewusst.‘“ Cute. Obwohl es natürlich noch schöner gewesen wäre, wenn Noah Schnapp sich gar nicht erst gefürchtet hätte vor diesem Schritt. Und an dieser Angst war sein Umfeld ja womöglich doch nicht ganz unschuldig.

Das Timing des Coming-outs jedenfalls ist ganz interessant: Denn in der vierten Staffel „Stranger Things“, die im Sommer 2022 auf Netflix online ging, hatte auch Schnapps Serienfigur Will Byers sein schwules Coming-out: Will ist verknallt in seinen besten Kumpel Mike (Finn Wolfard). Doch Mike ist ja in Eleven (Millie Bobby Brown) mit ihren Superkräften verliebt. In der vierten Staffel „Stranger Things“ findet man, wenn man erst mal drauf achtet, recht viele Szenen, in denen Will hintergründig daran leidet, dass Mike hauptsächlich Blicke für Eleven hat.

In einer besonders auf die Tränendrüse drückenden Szene erzählt Will Mike bei einer Autofahrt davon, warum Eleven ihn, Mike, der daran zweifelt, nach wie vor lieb haben muss. Am Ende dieses Dialogs ist Mike beruhigt, doch Will wendet seinen Blick aus dem Auto hinaus, da ihm die Tränen über die Wange kullern. In Wahrheit, so versteht auch sein älterer Bruder, der ebenfalls im Auto sitzt, hat hier Will seinem Kumpel Mike nämlich nicht nur Elevens, sondern auch seine eigene Liebe gestanden. Eine Szene, die sehr ans Herz geht inmitten all der Monster-Schlachterei.

Tatsächlich lässt sich der queere Subtext von „Stranger Things“ noch sehr viel weiter zurückverfolgen: Die erste Staffel von 2016 setzt nämlich damit ein, dass Noah Schnapps Figur in einer Geisterwelt, dem Upside Down, von Monstern heimgesucht wird. Man könnte auch sagen: von seien Dämonen. Will, der von seinem Vater als Schwuchtel bezeichnet wurde, wird uns schon in der ersten Staffel als besonders sensibler Junge gezeigt, der etwas anders als seine besten Kumpels ist. Und in dessen Kopf Dinge spuken, die er nicht so recht ausdrücken kann. Auch nicht vor seiner wunderbaren Mutter Joyce, gespielt von Winona Ryder. Schon all dies lässt sich als Allegorie auf Coming-out-Ängste sehen.

In der dritten Staffel gab es dann in „Stranger Things“ anderthalb Coming-outs: ein eindeutiges und ein nur angedeutetes. Das eindeutige in einer zum Schreien komischen, sehr gelungenen Szene mit der burschikosen Robin (Maya Hawke) und Steve, der in sie verschossen ist. Von den Russen unter Drogen gesetzt, gesteht Robin Steve in einer ruhigen Minute während einer Monster-Verfolgungsjagd, dass sie in ein Mädchen verliebt ist. Steve ist schockiert „Aber die singt doch schrecklich!“ Ursprünglich hatten die Serienmacher, die Duffer-Brüder, tatsächlich eine klassische Boy-meets-Girl-Story für Robin und Steve angedacht. Es war Robin-Darstellerin Maya Hawke (übrigens Tochter von Uma Thurman und Ethan Hawke), die den lesbischen Twist anregte. 

Das halbe Coming-out in Staffel drei betraf tatsächlich Will Byers. Der findet es nämlich nicht so toll, dass seine Jungs-Clique samt dem angebeteten Mike von Mädchen auseinandergetrieben wird, so jedenfalls wirkt es auf ihn. Mike entgegnet: „Kann ich doch nichts dafür, dass du keine Mädchen magst.“ Bezeichnend war zudem die Reaktion von Will, der darauf die Hütter der Boys-Clique  kurz und klein schlug. Weil Mike mit seiner Mutmaßung wohl einen neuralgischen Punkt erwischt hatte?

Schon damals sorgte das für Spekulationen bei „Stranger Things“-Fans. Während Noah Schnapp sich wenig begeistert zeigte ob solcher Munkeleien und sogar aktiv gegensteuerte, heizte Mike-Darsteller Finn Wolfard die Gerüchte weiter an – indem er verriet, im Drehbuch der Duffers hätte ursprünglich mal gestanden: „Kann ich doch nichts dafür, dass du NOCH keine Mädchen magst.“ Ein Noch, das die Duffers dann wohl absichtlich gestrichen hatten.

Wie dem auch sei: „Stranger Things“ ist ohnehin eine Serie, der es wie kaum einer anderen gelingt, eine fantastische Balance aus Monsterschlacht und Charaktermomenten zu finden. Dazu gehören auch die queeren Momente. Und es ist sehr erfreulich, dass Noah Schnapp nun ein sehr viel schöneres Coming-out hatte als unlängst sein Netflix-Kollege Kit Connor, ebenfalls 18, der in der zauberschönen Serie „Heartstopper“ den bisexuellen Nick Nelson spielt; und daraufhin von „Fans“ der Serie (die deren eigentliche Botschaft wohl verpasst haben und keine Ruhe gaben) zu seinem Coming-out regelrecht gedrängt wurde.

Die fünfte und dann auch finale Staffel „Stranger Things“ startet wohl erst 2024. Es heißt, sie soll ziemlich brutal werden. Bis dahin aber können wir noch ein bisschen romantisches Kopfkino laufen lassen: Ob Will und Mike doch noch eine Bromance-Chance haben, trotz der Superkräfte von Eleven? Wir werden sehen.