Wie starb Petra Kelly? Neue Doku durchleuchtet den mysteriösen Fall

Wurde die prominente Grünen-Politikerin von ihrem Mann erschossen, oder war es doch ein Attentat? Eine Suche nach Antworten in drei Teilen bei Sky.

Petra Kelly beeindruckte durch ihr Auftreten als Politikerin. An ihren Tod knüpfen sich Fragen.
Petra Kelly beeindruckte durch ihr Auftreten als Politikerin. An ihren Tod knüpfen sich Fragen.doc.station Medienproduktion GmbH

In den Kurzbiografien von Petra Kelly steht „vermutlich 1. Oktober 1992“ als Todesdatum. Kelly gehörte zu den Mitbegründern der Partei Die Grünen, war in den Achtzigerjahren berühmt, weit über die damalige Bundesrepublik hinaus: eine zarte Frau, die energische Reden hielt, für den Schutz der Umwelt, gegen Aufrüstung und Atomkraft, für die Unabhängigkeit Tibets von China. Noch bevor sie 45 Jahre alt wurde, endete ihr Leben – und da ihre Leiche erst mehr als zwei Wochen später gefunden wurde, ließ sich das Datum nicht sicher bestimmen. Diese Umstände sind das Leitmotiv der dreiteiligen Doku-Serie „Petra Kelly - Der rätselhafte Tod einer Friedensikone“. 

Mit der Waffe des Lebensgefährten

Petra Kelly wurde im Schlaf erschossen. Nicht weit von ihr lag, ebenfalls tot, ihr Lebensgefährte Gert Bastian. Eine Kugel aus derselben Pistole traf ihn von oben in den Kopf. Gert Bastian war damals ebenso bekannt wie Petra Kelly, ein ehemaliger Bundeswehr-General, der sich zum Rüstungsgegner gewandelt hatte; die Waffe gehörte ihm. Bastian war 24 Jahre älter als Kelly, verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder.

Die Miniserie von Anna Grün (Autorin) und Birgit Tanner (Szenische Regie) lässt sehr viele, zum Teil selten gehörte Zeitzeugen zu Wort kommen, Politiker, Journalisten, Ermittler, die Kinder Bastians. Mit der Grünen-Ministerin Aminata Touré und der Fridays-for-Future-Sprecherin Carla Reemtsma blicken außerdem zwei Nachgeborene auf die andauernde Härte des Politikbetriebs für Frauen. Grün und Tanner sind natürlich nicht die ersten, die das Rätsel des zweifachen Todes lösen wollten: ob es Doppelselbstmord oder Mord war. Gert Bastians Sohn, der Arzt, Friedensforscher und Krimiautor Till Bastian, äußert seine persönliche Erklärung in der Doku – und schrieb sie längst in einem Buch nieder. Auch die Publizistin Alice Schwarzer verfasste ein Buch zu dem Fall, und der damals damit betraute Psychologe beim Bundeskriminalamt Michael Baurmann untersuchte das Ganze noch einmal zusammen mit einer Historikerin. Die beiden drehten für die ARD einen Dokumentarfilm, der war eine Dreiviertelstunde lang und lief 2014.

Blutspritzer über den Bildern

In den Aufnahmen von früher erscheinen Petra Kelly und Gert Bastian noch heute charismatisch. Sie wirkt kämpferisch, ansteckend begeisternd und auch chaotisch, weil sie sich zu viel auflud und schnell von Menschen enttäuscht war, die ihr Feuer nicht teilten. Es ist sinnvoll, auch dreißig Jahre später von solchen Menschen zu erzählen, deren brennendes Engagement für die Gegenwart nützlich wäre.

Doch schon die Genre-Wahl ist heikel: „True Crime“ heißt es knackig in der Ankündigung, Blutspritzer liegen über vielen Bildern, die den Tod rekonstruieren sollen. Die Doku hat drei Zeitebenen: Die Phase des großen politischen Erfolgs von Petra Kelly, die Entdeckung der Leichen samt Untersuchung des Tatorts und die Gegenwart, in der Interviewpartner Wissen und Meinungen aussprechen. Im Pressetext heißt es, „in drei rund 45-minütigen Teilen verwebt die Doku-Serie ausgehend vom Tod der Polit-Ikonen die politischen, gesellschaftlichen und privaten Geschehnisse mit dem Kriminalfall“.

Das Wort „verwebt“ ist falsch. Statt dreier organisch zusammengebauter Filme gibt es ein nervöses Schipselwerk aus historischem und neu gedrehtem Material. Einige Bilder vom Todeshaus kehren so oft wieder, dass sie Überdruss erzeugen, ebenso wie die ständig eingeschobenen Aufnahmen von Schreibmaschine und Video-Abspielgerät, die vielleicht auf den Prozess der Recherche hinweisen sollen, letztlich allerdings durch die Wiederholung nur verdeutlichen, dass es keine Neuigkeiten gibt. Am gravierendsten aber ist das Zerstückeln eines jeden Interviews in Statements aus höchstens drei Sätzen. Thesen werden angerissen, nie ausformuliert. Jüngere Zuschauer, denen die Geschichte fremd war, werden auf diese Weise nicht informiert, sondern verwirrt.

Wertung: 2 von 5 Punkten

Petra Kelly - Der rätselhafte Tod einer Friedensikone. Drei Folgen à 45 Minuten, Sky und WOW