Alkohol, Nikotin, Heroin – Drogen wurden der großen Jazzsängerin Billie Holiday zum Verhängnis. Am 17. Juli 1959 erliegt sie im Alter von 44 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus einer Leberzirrhose; kaum Geld in der Tasche und quasi mit Handschellen ans Sterbebett gefesselt, weil der Agent Harry J. Anslinger vom Federal Bureau of Narcotics, ein unverhohlener Rassist, nicht von dem Versuch ablassen konnte, sie wegen ihrer Sucht dranzukriegen. Wobei es Anslinger wahrscheinlich eher darum ging, Holiday dafür abzustrafen, dass sie den Mund aufgemacht hatte, um „Strange Fruit“ zu singen. Jenen mit Blut und Feuer geschriebenen Ein-für-alle-Mal-Song zum Thema Lynchen, den Lady Day 1939 in ihr Repertoire aufgenommen und groß gemacht hatte. Und den sie mit sturer Verzweiflung wieder und wieder sang, den sie als Anklage und Aufschrei in Clubs und in die Konzertsäle trug.

Das Thema von Lee Daniels’ Musik-Biopic „The United States vs. Billie Holiday“ sind also nicht allein die Skandale und Tragödien, die das kurze, harte Leben der Sängerin prägten, deren Stimme nach der Seele griff. Es steckt in diesem Film – der auf dem 2015 erschienenen Buch „Chasing the Scream: The First and Last Days of the War on Drugs“ des britischen Journalisten Johann Hari beruht – auch eine Auseinandersetzung um Bürgerrechte und Meinungsfreiheit, Zensur und Rassismus. Nur findet beides nicht zu einem schlüssigen Ganzen zusammen. Es scheint, als bekäme Daniels, der mit „Precious“ (2009) und „The Butler“ (2013) doch bereits zwei  überzeugende filmische Beiträge zu Geschichte und Gegenwart von Afroamerikanern vorgelegt hat, die Fülle des Stoffs diesmal nicht richtig in den Griff.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.