In Friedenszeiten ist die Freitreppe von Odessa ein Wallfahrtsort für Cinephile. Wer sie mit der Erinnerung an Sergei M. Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ betritt, vergleicht nicht nur einen filmischen Schauplatz mit der Realität. Man meint förmlich, zwischen die Einstellungen zu treten, die in Eisensteins Montage die Idee zum Zeitbild machen. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man, welch spektakuläre Illusion die Architektur selbst ist mit ihren 192 sich nach oben verkürzenden Stufen: ein Theatereffekt für Tiefenwirkung, den sich auch gerne das Kino zunutze macht. Obwohl diese Treppe mehr als 80 Jahre älter ist als Eisensteins Film, hat sich international für sie der Name „Potemkin Stairs“ eingebürgert. Nur in Odessa erinnert keine Gedenktafel an ihren legendären Filmauftritt.

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