Berlin - „Endlich wieder Kino“ heißt es auf dem Billboard des Kant-Kinos in Charlottenburg. Der 1. Juli ist ein großer Tag für die Berliner Lichtspielhäuser. Sie können wieder öffnen, nachdem sie acht lange Monate geschlossen waren. Und es machen fast alle der 92 Berliner Kinos mit, auch wenn immer noch Abstandsregeln eingehalten werden müssen, und die Kinobesucher einen negativen Corona-Test brauchen, einen Impfnachweis oder eine Bescheinigung, dass sie von Corona genesen sind. Die Kinos öffnen, auch wenn eine wirtschaftliche Auslastung selbst bei Vollbesetzung nicht möglich ist. Zudem gilt die Maskenpflicht, aber nur beim Betreten des Kinos, nicht am Platz. Immerhin das Wetter meint es gut: An schönen Sommertagen sinkt nämlich die Kino-Lust. Regen ist kinofreundlich.

24 Filme starten an diesem Donnerstag, darunter der Oscar-Gewinner „Nomadland“, Robert De Niros Actionkomödie „Kings of Hollywood“ und Maria Schraders gefeierter Berlinale-Film „Ich bin dein Mensch“. Der Film-Stau ist enorm.

Aber ein paar Kinos bleiben zunächst auch noch zu. Das Wolf-Kino in  Neukölln etwa, das City-Kino Wedding und das Acud-Kino in Mitte. „Es sind Schulferien, unsere Nachbarschaft ist leer gefegt“, sagt Verena von Stackelberg, die Geschäftsführerin des Wolf-Kinos zu ihrer Entscheidung. Das Programmkino an der Weserstraße Ecke Wildenbruchstraße in Neukölln, das bereits der Berlinale als Spielort diente, wird erst am 5. August wieder aufmachen. Sie habe außerdem fast die Hälfte ihres Personals verloren und müsse neue Leute erst wieder einlernen.

Die Pandemie ist noch nicht vorbei, sagt die Betreiberin des Wolf-Kinos

Viele hätten sich während der Pandemiezeit neue Jobs gesucht. Einigen sei klar geworden, wie prekär eine Arbeitsstelle in einem Kino oder in einer Bar ist und möchten dort nicht wieder arbeiten. „Die  Pandemie ist ja nicht vorbei“, sagt Verena von Stackelberg. Sie verweist auf England, wo die Zahlen wieder nach oben gehen und auf Israel. „Leute überlegen sich genau, wo sie künftig ihr Geld verdienen möchten.“

Mit einem Mangel an Enthusiasmus hat ihre Entscheidung nichts zu tun, Verena von Stackelberg hat ihr Kiez-Kino mit zwei Sälen und einer Bar im Vorraum erst 2017 aufgemacht mit der Hilfe von Freunden, Filmliebhabern und -profis, aber auch mittels einer Crowdfunding-Kampagne.

Das City-Kino Wedding im alten Kinosaal des Centre Français de Berlin, dem französischen Kulturzentrum in der Müllerstraße 74, will auch erst am 5. August mit dem British Shorts Film Festival öffnen. Das bringe die nötige Aufmerksamkeit, mit Corona habe das nichts zu tun. „Seit wir das Kino betreiben, haben wir immer eine Sommerpause gemacht“, sagt Anne Lakeberg. Nur vergangenen Sommer haben sie im allgemeinen Öffnungsrausch darauf verzichtet. Das wollen sie dieses Jahr nicht wiederholen. „Der Juli bei uns da oben, das ist eine ganz harte Zeit“, erzählt sie. Sie spricht vom Sommer, von den Berliner Schulferien – genau wie Verena von Stackelberg, und man versteht, dass das Eröffnungsdatum des 1. Julis für die Berliner Kinos nicht härter sein könnte, um das Publikum zurückzugewinnen. Nicht nur, dass die Nächte lau, die Abende hell und lang sind. In anderen Bundesländern – in Baden-Württemberg zum Beispiel oder in Bayern – haben wenigstens die Ferien noch nicht begonnen.

Im Il-Kino ist ein Corona-Testzentrum, es öffnet trotzdem

Beim Acud-Kino in der Veteranenstraße in Mitte ist die Erklärung, warum sie erst zwei Wochen später öffnen, ganz banal. Es war nicht sicher, dass die neue Lüftungsanlage zum 1. Juli funktionsbereit sein würde. Nun wird am 15. Juli aufgemacht.

Das kleine Il-Kino, ein Arthouse-Kino in der Nansenstraße 22 in Neukölln, ist in einer kuriosen Situation. Sie werden am 1. Juli öffnen, das Problem ist nur, dass sie ihr Kino an jemanden vermietet haben, der dort ein Corona-Testzentrum betreibt. Nicht den Kinosaal selbst, aber den Vorraum vor dem Kino – hier finden die Tests statt – und die Bar, also dort, wo die Karten verkauft werden. Nicht nur, dass der Mieter laut der Betreiberin Carla Molino seine Miete nicht zahlt. Der Vertrag sei so unklar formuliert, dass das Zentrum nicht um 18 Uhr schließen müsse, wie sie es beabsichtigt hatten, sondern bis 20 Uhr öffnen kann. Der erste Film startet allerdings schon um 19 Uhr. Das wird spannend.

Wegen der Abstandsregeln können sie derzeit nur 19 Plätze besetzen. Weil es so wenige sind, braucht man hier keinen Corona-Test. Lohnen tue sich das nicht, sagt Carla Molino. „Aber das ist es, was wir machen wollen, Filme zeigen.“ Die ersten Vorstellungen sind bereits ausverkauft.

Kinogänger müssen diese Regeln beachten

  • Nötig sind ein Impfnachweis oder ein negativer Corona-Test oder eine Bescheinigung über  eine überstandene Infektion
  • Die Maske darf nur am Sitzplatz abgenommen werden