Eigentlich hatte ich genug im Kino gesessen in den letzten Tagen bei der Berlinale und es übrigens sehr genossen. Zumal man in den Pressevorführungen viel Platz hat, um mehr oder weniger ungestört etwa auf die riesige Leinwand im Berlinale-Palast zu glotzen und sich vom Sound-Wusch des Berlinale-Jingles in den Sitz drücken zu lassen. Nach der coronabedingt kinoarmen Zeit kommt man so wieder gut hinein ins viel beschworene Gemeinschaftserlebnis, das auch seine Kehrseiten hat. Unterschätzen Sie das nicht, gerade wenn Sie leichte sozialphobische Anwandlungen von sich kennen, die sich in den Lockdowns oder während der Quarantäne ausgewachsen haben könnten.

Am Sturmwochenende fiel eine geplante Unternehmung aus, sodass ich mit meinen beiden großen Töchtern in der Nachmittagsvorstellung von „Wunderschön“, der Komödie von Karoline Herfurth, zu sitzen kam. Es war nicht voll, aber der Saal war klein, und das Publikum bestand nicht aus abgebrühten Profiguckern, die im Dämmer des Kinos die Einsamkeit suchen, um den Kollegen auszuweichen.

Da fiel mir auch wieder ein, dass man normalerweise mit Freunden oder Familienmitgliedern ins Kino geht, mit ihnen redet, bevor es dunkel wird, und manchmal auch dann noch weiter, wenn der Film läuft und man einander kommentierend versichert, dass man auch gerade sieht, was der andere sieht. In diesem Fall wurde aber nicht nur kommentiert, sondern auch gegiggelt, gekichert, gelacht, gekreischt und ein bisschen geschluchzt, besonders schön waren die ironisch gefärbten chorischen Ausrufe des Bedauerns, die manchmal plötzlich gar nicht mehr ironisch waren.

Der Film hat Freude gemacht, man lernt nette Figuren kennen. Er berührt das Herz, aber man ahnt, dass alles gut enden wird. Es geht um Alltagsprobleme von Leuten, die irgendwelchen Idealvorstellungen ihrer selbst hinterherrennen und dabei das Wesentliche aus den Augen verlieren. So wie wir alle, die wir im Kino saßen.

Es dauerte eine Weile, bis ich kapierte, dass ich der einzige Mann war. Ich lachte in einer Gemeinschaft von Frauen über Schwangerschaftsblessuren, Hormonscherze, sexistische Kinderbücher, variantenreiche Beziehungsstörungen. Ich verdrückte die eine oder andere Träne und hatte das Gefühl, dass ich damit in unserer Zufallsrunde auf viel Verständnis stoße. Ich fühlte mich zwischen meinen Mitzuschauerinnen sehr gut aufgehoben und verstand, wie wohltuend ein Safe Space sein kann, zu dem Männer keinen Zutritt haben. Seid nicht sauer, liebe Geschlechtsgenossen! Versucht es ruhig auch mal, aber einer nach dem anderen.