Einzelne Sitzplätze in einem Kinosaal vom Kino Astor Grand Cinema in Hannover sind mit Zetteln mit aufgedrucktem angedeuteten Virus-Symbol abgesperrt.
Foto: Julian Stratenschulte/DPA

BerlinDie Welt nach Corona wird nicht mehr sein wie zuvor. Das ist ein Satz, der jetzt häufig fällt. Für die Kinolandschaft könnte er wirklich zutreffen. Folgender Vorgang ist ein Indiz dafür: In den USA haben sich die Universal Studios und AMC zusammengetan und zumindest in den USA das Kinofenster zerstört. Kinofenster, so nennt man die Zeit, in der ein Film exklusiv nur in den Kinos gezeigt wird, bevor er per Stream in die Wohnzimmer kommt. Bisher waren es 70 Tage, nun wurde diese Zeit für sämtliche Universal-Filme auf 17 Tage reduziert.

Universal ist eines der fünf größten US-Filmunternehmen und AMC Entertainment ein Unternehmen, das auf der ganzen Welt Kinos betreibt – allein in den USA 8400 Kinoleinwände. Elefanten des Kinogeschäfts also. Wenn sie ihren Fuß aufsetzen, bebt die Kinowelt. Die Art, wie in Hollywood seit jeher Geschäfte gemacht werden, stellt dieser Deal einfach mal auf den Kopf. Der Grund sind die großen Verluste der Filmproduzenten in der Corona-Zeit, die sie mit dem Heimkinogeschäft wenigstens mindern möchten.

Kräftemessen zwischen Universal und AMC

Wobei die Sache komplizierter ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Tatsächlich ist der Deal ein Kompromiss, der auf einem Kräftemessen beruht. Universal hatte nämlich ursprünglich vor, das Kinofenster gar nicht mehr zu respektieren, sondern Kino- und Heimkinopremieren gleichzeitig stattfinden zu lassen. AMC hatte daraufhin angekündigt, keine Universal-Filme mehr zu zeigen. Nun kriegen die AMC-Kinos sogar einen Teil der Heimkinoerlöse. Alle anderen Kinos sind außen vor.

Was das für die Kinobranche bedeutet, die schon vor Corona in der Krise war? Nichts Gutes, denn wenn man nicht mehr lange auf die Heimkinopremiere warten muss, entscheidet man sich vielleicht ganz gegen den teureren Kinobesuch. Oder geht eben nur noch dorthin, wenn wirklich mal ein Blockbuster läuft, den man unbedingt auf der großen Leinwand sehen will. Christine Berg, Vorsitzende des Hauptverbandes deutscher Filmtheater, spricht von einem Spiel mit dem Feuer. Es gehe um nicht weniger als eine 125 Jahre alte Tradition. Ein exklusives Zeitfenster gehöre unbedingt dazu. „Sollten die Partner der deutschen Kinos auf eine kurzfristig motivierte Verschiebe- und Ausweichtaktik setzen, spielen sie nicht nur mit der Zukunft der Filmtheater, sondern auch mit der Vielfalt und Unabhängigkeit unserer gesamten Branche.“