Die Minions waren die absoluten Kinderlieblinge in den rundum gelungenen und kommerziell äußerst erfolgreichen Animationsfilmen „Ich – Einfach unverbesserlich 1 und 2“. Klein, gelb und von der Statur an Hydranten oder Gehwegpoller erinnernd, lassen sich die stets zahlreich auftretenden Wesen grob in Einäugige und Zweiäugige einteilen; ansonsten ist es nicht einfach, sie voneinander zu unterscheiden.

Diese keineswegs mit einer tragfähigen Moral ausgestattete Spezies, die wohl nicht zufällig nur aus männlichen Individuen zu bestehen scheint, hat sich jedenfalls auch als Merchandise-Wunder entpuppt. Kürzlich brachte etwa eine Freundin aus Mexiko eine Minion-Pinata mit. Und so ist es nur konsequent, dass die bisherigen Nebenfiguren nun in einem eigenen Film in den Mittelpunkt gerückt werden.

In „Minions (3D)“ erfahren wir von ihrer zunächst einzelligen Herkunft aus dem Wasser und ihrer frühen Neigung zu autoritären bis eindeutig herrschsüchtig und kriminell veranlagten Führungspersönlichkeiten. Macht und das Böse ziehen die schmächtigen Wesen an – nicht unbedingt zum Vorteil ihrer „Bosse“. In loser Folge durch die Jahrmillionen fallen den begeisterungsfähigen Minions aufgrund unbedachter Handlungen und Missgeschicke unter anderem ein Saurier, ein Steinzeit-Rambo, ein Vampir und ein bekannter französischer Feldherr zum Opfer. Letzteres zwingt sie in die Emigration in eine Eislandschaft.

Nach einer längeren Reise im Jahr 1968 in London angekommen, scheinen sie nun am Ziel ihrer Träume. Die wirklich sehr böse britische Großkriminelle Scarlett Overkill rekrutiert Kevin, Stuart und Bob zu ihren Helfern. Doch das zielgerichtete Handeln ist nicht Sache der Minions – das Leben wird von ihnen vielmehr unterm Motto des maximalen Spaßfaktors angegangen. So steht die Mission, wir stehlen die Krone der Queen, auch von Beginn an auf albern-wackligen Beinen.

Dieser Wille zu freudigem Unernst, ja sogar Blödsinn macht die Minions natürlich sympathisch und drückt sich in einer beredten Mimik und Gestik aus. Das ist nicht unerheblich, denn zu verstehen sind die Minions sonst eher schwer. Zwar quasseln sie eigentlich ununterbrochen – ihr nach der Lieblingsspeise benanntes „Banana“-Kauderwelsch, in dem sich Englisch, Spanisch und auch sonst wahrscheinlich so ziemlich alle bekannten und unbekannten Sprachen mischen, ist jedoch nicht immer leicht zu entschlüsseln.

Enttäuschender Soundtrack

Es sind dann auch eher einzelne Szenen von slapstickhafter Schönheit, die den Film ausmachen. Hier lernen wir etwa, wie robust und wehrhaft die nunmehr betagte Queen Elizabeth II. einst war – und schauen gern in die retro-seligen Kulissen. Insgesamt ist die Geschichte, die alle Vorurteile über die stocksteifen und traditionsverblödeten Briten abfeiert, aber recht lahm geraten. Den charakterlich letztlich unterzeichneten Minions fehlt eine wirkliche, quasi menschliche Identifikationsfigur, mit der das Publikum leiden und lachen kann.

Die bisweilige Unzufriedenheit ist nicht zuletzt dem Soundtrack geschuldet. Schwebte man in „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ noch beim Song „Happy“ von Pharell Williams, der im Anschluss zum Mega-Hit avancierte, haben sich die Macher dieses Mal für recht abgehangener Klassiker entschieden.

Ob sich Kinder heute von The Kinks, The Doors, The Who oder The Turtles („Happy Together“) in Schwingung versetzen lassen, bleibt fraglich. Die Songs ergeben eigentlich nur dann einen Sinn, wenn man davon ausgeht, dass vor allem erinnerungsbedürftige Großeltern ihre Enkel ins Kino begleiten. Die kindliche Begeisterung für die anarchischen Rudelwesen trübt dies aber nicht. Die besten Momente kommen im Übrigen nach dem Abspann!

Minions (3D) USA 2015. Regie: Kyle Balda, Pierre Coffin; Drehbuch: Brian Lynch. 91 Minuten, Farbe