Ein Moment beißender Qual. Als würde man wieder vor einem tiefen Abgrund stehen. Jedes Mal aufs Neue. Und niemals lernt man daraus; läuft immer mit dem gleichen Kopf gegen die gleiche Wand. Dabei hat doch schon Kurt Beck gesagt, dass dies eine schlechte Idee ist. Doch immer wieder entstehen bei Küchentischgesprächen und Parknachmittagen diese Ideen, die die Welt revolutionieren und den Geldbeutel ganz fix füllen sollen.

Online Kuss-Training gibt es schon

Studenten und Schüler, Senioren und Start-Upper: Sie alle diskutieren, fantasieren und träumen – nur damit das Internet ihnen später flüstert, dass bereits jemand diese Idee gehabt hat. Die Parkplatz-App! Gibt es schon. Die Melanom-App! Pah, Schnee von gestern. Online Kuss-Training! Pech gehabt, Keule.

Ein nicht enden wollender Strom der Enttäuschung. Nicht einmal die abwegigsten Einfälle sind heute noch neu. Auch die Online-Taufe gibt es schon. Ja, sogar die Geistlichen, quasi die Keimzelle des Rückwärtsgewandten, waren schneller.

Firmen wie GodLikeProductions missionieren per Mausklick. Über Skype und Telefonlautsprecher geht es ab in die digitale Kathedrale. Der Pfarrer auf der einen Seite, der Gottlose auf der anderen. Weihrauchschwenken kann man schließlich auch selbst, und, mein Gott, dann tropft der Nachbar eben ein bisschen Spülwasser auf den Schädel. Oder einfach ab in die heimische Badewanne. Mehr Wasser kann nie schaden. Und Aloe-Vera-Cremedusche-Wannenbad mit Durchlauferhitzer ist sicher viel angenehmer als kirchliches Taufwasser aus einem steinernen Becken.

Online-Beerdigung?

Der Priester muss derweil nur zuschauen und konzentriert die Ohren spitzen, ob man das Glaubensbekenntnis auch richtig aufsagt, falls der Skype-Empfang mal wieder knistert und rauscht. Da muss Gott wirklich nochmal ran, von Vollkommenheit kann dabei keine Rede sein. „Oh dear Lord, I thank you for technology“, sagt der Pfarrer im Ed-Hardy-Shirt im Youtube-Video zur ersten Online-Taufe. Er schließt die Augen, Hand aufs Herz, und preist den Fortschritt, der es uns erlaubt „so viele coole Dinge zu tun“.

Oh ja, mehr coole Dinge, bitte! Online-Beerdigung? Sargträger als Hologramm? Die richtige Arbeit kann ja wieder der Nachbar machen. Und Mark Zuckerberg, der von einer virtuellen Wolke die Trauerpredigt spricht? Der das Profil des Toten noch mal gratis boostet? Ach Quatsch, Stop! Nicht schon wieder zu sehr hoffen. Hat eh schon einer gemacht.