Es ist schon wieder was in Sachen Schwule und Katholische Kirche passiert. Gestern hat Papst Franziskus eingeräumt, dass es eine „Schwulen-Lobby“ im Vatikan gebe (BLZ vom 12. 6.). Das ist zwar lange bekannt, aber ein päpstliches Zugeständnis verleiht dem Umstand zusätzliche Brisanz. Denn für den Papst ist es nicht damit getan, die Realität zur Kenntnis zu nehmen, er muss als oberster Kirchenhirte darauf reagieren. Was auch immer er tun wird – Abschaffung des Zölibats, Reformation des Amtsverständnisses –, den Schwulen im Amt ist weder mit Wegschweigen noch mit Wegschieben beizukommen.

Das hatten wir gestern: ein Papst, der sich mit der Existenz von homosexuellen Lebensweisen ins Benehmen zu setzen versucht. Heute nun verblüfft der Weltbild-Verlag mit der Mitteilung, dass man die Bücher eines kanadischen Verlags für schwule Literatur aus dem Programm genommen habe. Weltbild, im Besitz der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, erklärte hierzu dem Nachrichtenportal Spiegel online: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns wie andere Buchhändler auch vorbehalten, einzelne Titel und Verlage aus unterschiedlichsten Gründen nicht zu führen.“ Die „Gründe“ für Weltbild, sich von der schwulen Literatur zu verabschieden, sind allerdings nur einer: eben weil es schwule Literatur ist. Dass der Verlag zugleich große Mengen an erotischer und esoterischer Literatur führt, ficht ihn dagegen nicht an.

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