Jule Böwe und Bela B in dem Film Leif in Concert - Vol.2.
Foto: Mike Auerbach / Lischke & Klandt Filmproduktion

BerlinManche benehmen sich im Kino wie in der Kneipe. Andere machen es umgekehrt, was weniger ärgerlich ist, aber auch ein bisschen traurig. Grundsätzlich haben beide Institutionen viel gemeinsam. Beide sind seit längerem vom Aussterben bedroht, da hätte es Corona nicht gebraucht. Der Kneipenfilm „Leif in Concert – Vol.2“, sichtlich vor der Pandemie gedreht, hat nichts im Sinn als die perfekte Symbiose der beiden. Wahrscheinlich würde es hier keiner merken, wenn man im Kino redet.

Schauplatz ist eine Jazzkneipe irgendwo in Deutschland. Es ist verraucht und laut. Wer mag, erkennt darin das Berliner Yorckschlösschen. In rustikalem Ambiente – kein Wohnzimmerschick, keine Hipster, alles ganz echt – hat die Wirtin Lene (Luise Heyer) für jeden Gast ein offenes Ohr und den passenden Schnaps. Die Handlung sieht vor, dass die polyglotte Hochschulabsolventin die Kneipe übernehmen könnte, sich aber nicht ganz durchringen mag. Einzig wichtig ist ihr der Auftritt eines befreundeten Musikers am Abend, dem sich noch einige Hürden entgegenstellen. Aber eigentlich geht es nur um die Gespräche.

Nach dem Vorbild amerikanischer Genreperlen wie Jim Jarmuschs „Coffee and Cigarettes“, gekreuzt mit ein bisschen Olli Dittrich und „Dittsche“, wird munter drauf los gequasselt. Weitestgehend sinnfrei, dafür mit exquisiter Gastbesetzung: Ärzte-Drummer Bela B sinniert über eine Verschwinde-App fürs Handy, gegen Diebstahl. Der wunderbare Tilo Prückner, zwischenzeitlich verstorben, vermisst alte Zeiten und Klaus Kinskis „Erdbeermund“-Gedicht – kennt ja keiner mehr! Die Schauspielerin Maryam Zaree macht in Poetry Slam, während das Impro-Genie Tom Lass verzweifelt versucht, mit dem Rauchen anzufangen.

Zwischen Tresenthesen und Pseudophilosophie sitzt nicht jeder Gag. Mit dem Juxtitel, der ein Prequel verspricht, fängt es an. Aber noch einmal egal, so gemütlich und unpolitisch kommen wir nicht mehr zusammen! Christian Klandts dritter Kinofilm – nach zwei beinharten Sozialdramen – ist exzellent gefilmt und spürbar mit Herz gemacht. Es müsste mehr solcher Filme geben, die auch aus dem Alltag kleine Funken schlagen. Dieser hier wurde natürlich per Crowdfunding finanziert, Fördergelder gab es nicht. Dafür fließt vom Erlös jeder Kinokarte ein Betrag für die Kiez- und Kneipenrettung. Das Gefühl, alles könne eines Tages vorbei sein, sorgt im übrigen für die durchaus melancholische Schlagseite dieses in vieler Hinsicht vorausschauenden Films. Aber keine Sorge, wenigstens hier im Kino gibt es für alles eine Lösung.

Leif in Concert – Vol.2, Deutschland 2019. Buch und Regie: Christian Klandt, Darsteller: Luise Heyer, Klaus Manchen, Godehard Giese, Maryam Zaree, David Wendt, Bela B u.a.; 115 min., Farbe. FSK 0.