Berlin - Eine Zeitlang war Klaus Ender einer der erfolgreichsten Künstler der DDR. Im Jahre 1975 initiierte er die Wanderausstellung „Akt und Landschaft“, in die weit über 100.000 Besucher strömten und die so zu den erfolgreichsten Publikumsausstellungen der DDR überhaupt zählte.

Der Aktfotografie hatte sich Klaus Ender schon sehr viel früher gewidmet, erste Aufnahmen hatte er zu Beginn der 60er-Jahre auf Rügen gemacht, wo der 1939 in Berlin geborene, in Landsberg an der Warthe aufgewachsene Ender vorübergehend als Saisonbäcker gearbeitet hatte. Drei dieser Aktfotografien wurden 1965 in der populären Zeitschrift Das Magazin veröffentlicht. Enders Aktfotografie zeichnete sich dadurch aus, dass sie Nacktheit nicht inszenierte, sondern sie vielmehr als natürliche Schönheit präsentierte. Das vielfach gerühmte Körperbild der DDR und dessen weit von pornografischen Motiven entfernte Darstellung trug später viel dazu bei, dass man der DDR-Gesellschaft einen anderen Umgang mit Sexualität und Nacktheit attestierte.

Nachdem Enders Fotos in Das Magazin erschienen waren, erhielt er 1966 die Zulassung als Bildreporter und daraufhin Aufträge von zahlreichen Verlagen. 1971 erschien im Fotokino & Fachbuchverlag Leipzig sein Buch „Mein Modell“, das rund 95.000 Mal verkauft wurde.

Eine Biografie voller Widersprüche

In Klaus Enders Biografie spiegelt sich allerdings auch die ganze Widersprüchlichkeit der DDR-Gesellschaft. 1957 hatte er die DDR zunächst verlassen, war aber bereits ein Jahr später wieder zurückgekehrt. Nach den künstlerischen Anfangsjahren auf Rügen ging er zu Beginn der 70er-Jahre nach Potsdam. 1981 verließ er, der notorisch Unangepasste, die DDR endgültig in Richtung Österreich, wo er vom Ministerium für Unterricht und Kunst in Wien die Anerkennung als Bildender Künstler der Fotografie erhielt.

Als aus den Dokumenten der Stasi-Unterlagenbehörde hervorgegangen war, dass er über 15 Jahre lang Inoffizieller Mitarbeiter (IM) war, zog er 2004 eine lakonische Lebensbilanz, die auch seine politische und soziale Zerrissenheit zum Ausdruck brachte: „Ja, ich wurde angepinkelt, ja, ich habe zweimal miterlebt, wie meine Mutter vergewaltigt wurde, ja, ich wurde von Flüchtlingsmassen in den Schmutz der Oder getreten, ja, meine Verlobte hat sich das Leben genommen, ja, ich wollte unbedingt Akt-Fotograf werden, ja, ich hatte Sex mit vielen Mädchen, ja, ich habe der Nacktheit in der DDR einen natürlichen Glanz gegeben, und ja, ich war auch ein IM.“

Die natürliche Schönheit Rügens

1996 kehrte Klaus Ender, der später auch Gedichte und Aphorismen veröffentlichte, nach Rügen zurück. Auf seiner Homepage klaus-ender.de finden sich Tausende Fotoaufnahmen, die die Schönheit der Insel dokumentieren, und auch Enders nie nachlassender Blick für das Randständige und Liegengebliebene. Enders Fotografie war populär und wollte es sein, viele seiner Motive scheuen die Nähe zu gewöhnlicher Urlaubsfotografie ausdrücklich nicht.

Vor bald 20 Jahren war bei Ender die Krankheit Morbus Parkinson diagnostiziert worden, nach einem Augeninfarkt erblindete er vor mehr als einem Jahr rechtsseitig. Die Sehkraft seines linken Auges war seit früher Jugend stark geschwächt. Am Donnerstag ist Klaus Ender im Alter von 81 Jahren auf Rügen gestorben.