Klaus Lederer: So fällt die Halbzeitbilanz des Berliner Kultursenators aus

Berlins Kultursenator Klaus Lederer kann schnell sprechen. Das war aber auch notwendig, um all die vielen Stichworte unterzubringen, die er im Rahmen der Halbzeitbilanz seiner Amtszeit seit 2016 einer Erwähnung wert befand.

Dabei ging es um den Zusammenhang von Tarifsteigerungen und Mindesthonoraren, die Einrichtung eines Festivalfonds, die Erhöhung der Bezirkskulturfonds, europäische Städtepartnerschaften, den Denkmalschutz für den Flughafen Tegel, mehr Geld aus dem Hauptstadtfinanzierungsvertrag, den Bibliotheksentwicklungsplan und vieles mehr.

Klaus Lederer hofft auf Lösung im Fall Volksbühne

Lauter wichtige Dinge, die schnell beiseitegelassen werden, wenn es um die großen Aufregerthemen der Berliner Kulturpolitik geht, die über das bloße Für und Wider ästhetischer Herausforderungen hinaus immer wieder einmal zu schicksalhaften Entscheidungen stilisiert worden waren (Volksbühne, Kunstprojekt Dau etc.).

Klaus Lederer dürfte klargewesen sein, dass er mit der Strategie der Detailfülle nicht sehr weit kommen würde, denn natürlich musste er am Mittwoch in der Berliner Kulturverwaltung in der Brunnenstraße auch bezüglich jener Personalentscheidungen Rede und Antwort stehen, die zuletzt die Berliner Stadtgesellschaft bewegt und erzürnt haben. Über das Betriebsklima an der Staatsoper Unter den Linden wird seit einigen Wochen in zahlreichen Runden hinter den Kulissen gesprochen, seit Generalmusikdirektor Daniel Barenboim in den Mittelpunkt einer Mobbingaffäre gerückt worden ist.

Berlin verliert an Räumen für Kulturschaffende

Über dessen Nachfolge, über die auch jenseits der Affäre Entscheidungen anstehen, hoffe Lederer ebenso im Verlauf des Sommers Lösungen präsentieren zu können wie im Fall der Volksbühne. Das Verfahren zur Neubesetzung des Direktorenpostens bei der Gedenkstätte Hohenschönhausen befinde sich nicht zuletzt wegen der aufgeheizten parteipolitischen Debatte um die 2018 erfolgte Kündigung des Vertrags von Hubertus Knabe in der Hand von Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). 

In dem einstündigen Pressegespräch, bei dem auch die beiden Staatssekretäre Torsten Wöhlert (Kultur) und Gerry Woop (Europa) zu Wort kamen, kristallisierte sich schließlich doch ein Thema der Berliner Kulturpolitik mit wachsender Dringlichkeit heraus. Zusätzlich angefeuert wurde es durch ein kurz zuvor verteiltes Flugblatt einer Aktionsgruppe Bildender Künstler, die auf die sich dramatisch zuspitzende Raumsituation für Kulturschaffende aufmerksam machten. Berlin verliere aufgrund steigender Mieten jährlich ca. 350 Ateliers. Mit den vagen Ankündigungen des Senators, 2000 Arbeitsräume für Künstler zu sichern, mochten sie sich nicht zufriedengaben.

Klaus Lederer will Unterprivilegierten Zugang zu Kultur erleichtern

Klaus Lederer legte indes Wert darauf, das Problem strukturell in den Griff bekommen zu wollen. Während es noch vor wenigen Jahren leicht möglich war, günstige Räume für künstlerische Aktivitäten und Zwischennutzungen zu finden, so habe man es nun mit den Rahmenbedingungen eines überhitzten Marktes zu tun. In dieser Situation sei es aber keine gute Idee, seitens des Kultursenats in den Anmietungsmodus umzuschalten. „Wir können nicht jedes wegbrechende Areal mit öffentlichen Mitteln retten“, so Lederers nüchterne Einschätzung. Zudem stehe das Bedürfnis nach einer raschen Bereitstellung neuer Räume in einem Widerspruch zu den meist langwierigen Partizipationsprozessen. Mitsprache ist gut, kann aber dauern. Auf Lederers Bilanzzettel ist indes die Alte Münze positiv vermerkt, die in einem partizipativen Prozess als Kulturstandort entwickelt werde.

Weiterhin ungeklärt ist die Frage des Freien Eintritts im künftigen Humboldt-Forum. Klaus Lederer verfolgt dabei die Idee, sozial Unterprivilegierten generell den Zugang zu Kultur zu erleichtern. Das Humboldt-Forum muss demnach in ein Gesamtkonzept Berliner Kultureinrichtungen einbezogen sein. Man befinde sich derzeit in einem schwierigen Aushandlungsprozess, in dem sich unlängst auch das Bundesfinanzministerium eingemischt hat. Den Ausführungen Lederers zufolge allerdings wenig hilfreich. Die zweite Hälfte seiner Amtszeit hat schon begonnen.