Eigentlich war es nur ein Versuch, weil ich nichts wegwerfen kann: Die Tüte aus dem Jahr 2013 (das hatte ich selbst draufgeschrieben) enthielt Samen meiner Lieblingstomatensorte: Rote Murmel, mit Früchten so klein, wie der Name sagt, und enormer Wuchskraft, ihre Ranken werden schnell anderthalb Meter lang. Ich fand sie ganz hinten im Karton mit den angebrochenen Saatpackungen. Acht Jahre alte Samen! Na gut, dachte ich mir, streue ich mal alle aus, vielleicht steckt in einigen von ihnen noch Leben.

Meine Hoffnung verdanke ich dem Botaniker Stefano Mancuso, er ist Professor in Mailand, arbeitete unter anderem für die Nasa und schreibt unterhaltsame Bücher über die enormen Leistungen der Flora. In einem davon, es heißt „Reisende Pflanzen“, geht es darum, dass Kokosnüsse Weltmeere durchqueren oder Meersenf frisch geborene Vulkan-Inseln besiedelt. Aber Pflanzen reisen, so Mancuso, nicht nur durch den geografischen Raum, sondern auch durch die Zeit: Er berichtet von Samen aus der Zeit der Napoleonischen Kriege, die 200 Jahre im Britischen Nationalarchiv überlebten und, endlich eingepflanzt, keimten. Und er erzählt von einem Dattelkern, der bei einer Ausgrabung in Israel gefunden wurde: Nach fast 2000 Jahren Dornröschenschlaf wuchs aus ihm eine Palme.

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