Der neurechte Verlag Antaios veröffentlicht eigene Bücher, hat Reihen anderer Auftraggeber wie vom Buchhaus Loschwitz im Programm und bietet über seinen Webshop Titel an wie andere Buchhändler auch. Dem Klett-Kinderbuch-Verlag ist das unangenehm. Denn Antaios ist nicht irgendein Unternehmen, es gehört Götz Kubitschek, einem Aktivisten der Neuen Rechten und Vertrauten des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat den in Schnellroda ansässigen Verlag im vergangenen Jahr unter Beobachtung gestellt. Untersuchungsgrund sind antiliberale und antidemokratische Positionen, die in Publikationen des Verlags verbreitet werden.

Zu einem solchen Programm scheint das Buch „Alle Kinder“ mit Versen von Martin Schmitz-Kuhl und Bildern von Anke Kuhl nicht zu passen. Gedanklich frei und künstlerisch frech führt es durchs Alphabet der Schadenfreude. Sein Witz entsteht aus schrägen Sprüchen mit toller Übertreibung und unwahrscheinlichen Begegnungen. „Allen Kindern schmeckt das Essen“, heißt es zum Buchstaben J angesichts einer brav vor Tellern sitzender Gruppe, und weiter: „Außer Jürgen – der muss würgen.“ Zum Gewitterbild heißt es: „Alle Kinder laufen ins Haus. Außer Fritz – den trifft der Blitz.“ Am Donnerstag teilte die Klett-Verlegerin Monika Osberghaus mit: „Wir konnten es erst kaum glauben, dass dieser Anbieter mit unseren Büchern Geld verdient. Das wollen wir nicht und wir haben nun einen Weg gefunden, wie der Vorgang trotzdem noch Gutes bewirkt. Weitere Verlage, denen das sicher auch nicht gefällt, sind gleichfalls betroffen und sollten sich das mal anschauen.“

Spende für die Berliner Buchhandlung Leporello

Die knapp 250 Euro, die der Klett-Kinderbuch-Verlag durch den Verkauf von „Alle Kinder“ über den Antaios-Webshop erwirtschafte, werde er nun als Spende weitergeben und verdoppeln. So gelangen 500 Euro an die Berliner Buchhandlung Leporello, die in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von Anschlägen aus dem rechten Spektrum gewesen sei.

Das Buch verlagsseitig von Antaios zurückzuziehen, sei kompliziert, klärt die Leipziger Verlegerin auf, weil es überhaupt schwierig sei, einen einzelnen Webshop aus dem System auszuschließen. Außerdem würden Verbots-Aktionen sowieso nicht zu Klett-Kinderbuch passen. Der Berliner Buchhändler Heinz Ostermann hat den eigentlichen B-Spruch, der einer ungeschickten Berta zugeordnet war, umgedichtet: „Alle Kinder wollen Frieden. Außer Björn – der will stör’n.“ Anke Kuhl zeichnete dazu einen Krakeeler mit Deutschlandfahne.