Berlin/Paris - Er verkleidete sich als alte Dame, ging in den Louvre und platzierte sich in einem Rollstuhl dicht vor der „Mona Lisa“. Dann sprang der junge Mann aus einem Pariser Vorort unvermittelt auf und bewarf das berühmteste Gemälde der Welt mit einer zuvor versteckt gehaltenen Torte. Anschließend warf er Rosen in den mit fotografierenden Touristinnen und Touristen gefüllten größten Raum des Museums und rief auf Französisch: „Denkt an die Erde. Es gibt Menschen, die die Erde zerstören! Denkt darüber nach. Künstler sagen euch: Denkt an die Erde. Darum habe ich das getan.“

Leonardos Gemälde blieb bei der vandalistischen Attacke unversehrt. Anders als die meisten anderen Bildnisse im Louvre hängt es nicht frei im Raum, sondern wird von einer flachen Vitrine aus Panzerglas geschützt. Auf Letzterer landete das Gebäckstück. Auf einem Video ist zu sehen, wie ein Mitarbeiter kurz darauf versucht, die Vitrine mit einem Taschentuch von den klebrigen Überresten der Torte zu befreien – mit überschaubarem Erfolg. Anschließend sei der Täter vom Sicherheitspersonal des Louvre abgeführt worden. Das Museum erstattete Anzeige. Twitternutzern zufolge hatte der Täter zunächst versucht, die Vitrine zu zerstören. Wie genau, bleibt unklar.

Unsicher ist zudem auch die psychische Verfassung des Täters. Zunächst wurde er zur Überprüfung seiner Haftfähigkeit in eine Psychiatrie überbracht. Der laut Medienberichten 24-Jährige habe einen verwirrten Eindruck gemacht. Bei der Diagnose wird wohl auch die Frage nach der Einordnung des Vorfalls zumindest teilweise beantwortet: Handelt es sich um einen besonders entschlossenen Klimaaktivisten? Oder einfach um einen psychisch kranken Menschen?

„Mona Lisa“ seit Steinwurf 1956 hinter Panzerglas

Tatsächlich erscheinen die Worte des Mannes kurz nach der Tat eher unüberlegt und vermitteln nicht den Eindruck einer geplanten Klimaprotestaktion. Möglich ist aber auch, dass der junge Franzose gar nicht damit rechnete, nach der Tat noch Zeit zu haben, sich zu äußern.

Es ist nicht der erste Versuch, das weltberühmte Gemälde, dessen Wert derzeit auf über 800 Millionen Dollar geschätzt wird, zu beschädigen. 1956 gelang es einem Unbekannten, Säure auf die „Mona Lisa“ zu schütten, die einen Teil des Kunstwerks zersetzte. Nachdem ein Tourist aus Bolivien im gleichen Jahr einen Stein gegen die 500 Jahre alte Leinwand warf, wurde die Panzerglasscheibe eingebaut, die die distanziert-freundliche junge Frau nun vor der Sahnetorte rettete.