Stefan Pappert, 44, ist bei den Feierlichkeiten zum 70. Thronjubiläum von Königin Elizabeth II. der wichtigste Mann: Der deutsche Koch kümmert sich nämlich um das leibliche Wohl der britischen Queen und ihrer Gäste auf Schloss Windsor. Die Feierlichkeiten beginnen am 2. Juni mit der Parade „Trooping the Colour“ im Herzen Londons und sollen bis zum Sonntag dauern – Full House! Da wollen etliche Menschen bewirtet werden.

Seit 2017 ist der gebürtige Fuldaer nun schon Hofkoch und kennt so manche kulinarische Marotte seiner durchlauchten Chefin. Die er übrigens auch mit Keksen versorgt: „Wenn sie nach London fahren muss, ist ein bisschen was eingepackt. Da haben wir ein paar Cookies mit drin in der Handtasche. Da hat sie Säfte dabei und Wasser“, vertraute Pappert jetzt der dpa an. Etwas Wegzehrung und Naschereien für die Königin.

Stefan Pappert managt kulinarische Großereignisse

Das klingt nett. Allerdings ist Pappert ganz andere Dimensionen gewohnt. Angefangen hat er 2005 beim Münchner Tollwood-Kulturfestival, weiter ging es auf dem Oktoberfest und auch im Stadion des FC Bayern: Bereits hier wurden Mahlzeiten in 10.000er-Dimensionen gekocht. Es folgte 2015 der Wechsel nach London, dort leitet er inzwischen die Gastronomie im Wembley-Stadion sowie für Emirates Arsenal.

Pappert managt kulinarische Großereignisse, wie er einmal dem Fachportal Stadionwelt erklärte: „Bis zu 90.000 Gäste können wir im Wembley Stadium verköstigen, das sind noch mal 30.000 mehr als bei Arsenal. Die Hauptküche ist umgeben in einem Oval von acht Kühlhäusern, die Platz für Tausende angerichteter Teller bieten. Von dort aus geht die Verteilung via Aufzüge und Palettentrucks in die einzelnen Restaurants.“

In seinen beiden Londoner Stadien muss Pappert von Fast Food für Fans bis Edel-Cousine für VIP-Gäste ein weites Spektrum bedienen. Auch findet hier nicht nur Fußball statt, sondern müssen andere Events ebenso versorgt werden, Konzerte, Tagungen oder Bankette. „Wembley ist ein 24/7-Betrieb“, sagt der Projekt-Manager, der immer noch gern mit seiner Münchner Wiesn-Zeit als „Knödeldreher“ kokettiert.

Die Kunst besteht darin, bei aller Massenproduktion das kulinarische Niveau zu halten. Offenbar gelingt das: In Wembley war Prinz William begeistert vom Essen, so kam Pappert ins britische Königshaus Windsor. „Eigentlich war es für William geplant, aber dann habe ich auch für die Queen gekocht.“ Anfangs noch etwas vorsichtig, probierte er immer öfter Neues aus – „und die Teller kamen immer leer zurück“.

Stefan Pappert: „Prinz Harry ist der coolste Royal“

Und was isst die Queen am liebsten? „Ein Lieblingsessen gibt’s nicht“, sagt Pappert. „Sie isst ganz normal, was jeder andere auch essen würde.“ Die Essgewohnheiten der 96 Jahre alten Königin hätten sich allerdings etwas geändert. „Wir haben das Essen ein bisschen salziger gestaltet, einfach weil der Geschmack im Alter abnimmt. Wir haben aber die Portionen kleiner gemacht. Es gibt nicht mehr Riesenteller.“

Zum Thronjubiläum bekocht Pappert auch die Gäste der Queen. Auf einen freut er sich besonders. „Die Verwandtschaft aus Amerika ist im Anmarsch“, sagt er mit Blick auf das mit Spannung erwartete Comeback von Prinz Harry, der mit Frau und Kindern aus Kalifornien zu Besuch kommt. Papperts Lieblings-Royal: „Harry ist der Coolste, leider nicht mehr da. Das war immer der, der zu uns in die Küche kam.“