Paul Spies, Generaldirektor der Stiftung Stadtmuseum Berlin (Archivbild).
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BerlinAm Dienstagmittag war es wieder so weit, Paul Spies, Generaldirektor der Stiftung Stadtmuseum Berlin, stellte die Pläne seiner Einrichtung im dazugehörenden Märkischen Museum am Köllnischen Park vor. Eines lässt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit schon jetzt prognostizieren: Es wird viele Debatten um den Sinn des Museums geben – und wohl auch politischen Krach. 

Zwar bleibt das Ephraim-Palais der Sanierung wegen ganz geschlossen; die Nikolaikirche wird vor allem durch ein Kunstprojekt mit zehn monumentalen Gemälden zur Stadtgeschichte seit den 80er-Jahren Aufsehen erregen. Das Museumsdorf Düppel mit dem populären Mittelalter-Reinactment und das Knoblochhaus mit einer Ausstellung zum Salonleben Berlins im 19. Jahrhundert bleiben mit ihren Vorhaben bei ihren Leisten. Konfliktpotenzial lauert indes an anderer Stelle.

Vorerst keine Zusammenarbeit mit "Aktivisten"

In der seit 2016 geplanten Ausstellung des Stadtmuseums im Humboldt-Forum sollen zwar auch Ausgrenzungs- und Rassismuserfahrungen von Berlin und seinen Bewohnern eine Rolle spielen. Die gerade begonnene Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen und „Aktivisten“ (Spies), die sich nun mit einer Sechs-Millionen-Euro-Subvention von Bund und Land der „Dekolonisierung“ Berlins widmen soll – „bis hin zu den Hölzern, aus denen unsere Möbel gemacht wurden“ (Spies) –, wird sich darin aber noch nicht niederschlagen. Dabei berufen sich die anderen Nutzer des Humboldt-Forums bereits jetzt auf das Projekt des Stadtmuseums, um kolonialhistorische Defizite ihrer Ausstellungen im vorneweg zu rechtfertigen. Da also drohen Auseinandersetzungen.

Schon jetzt stärker eingebunden werden soll die Stadtbevölkerung in die Ausstellung zur 100-Jahrfeier der Gründung der Provinz Berlin. „Chaos und Aufbruch“ ist der Titel, gezeigt werden sollen die direkten Folgen der oft gegen den erklärten Willen der Bürger erfolgten Vereinigung von sechs kreisfreien Städten, 59 Dörfer und 27 Gutsbezirken: Einheitliche Planung, Wohnungsbau, Öffentlicher Verkehr, Gesundheitsvorsorge, Schulwesen, neue Parkanlagen ed al. Pünktlich Ende April ist ihre Eröffnung geplant. Das ganze Hauptgeschoss des Märkischen Museums wurde bereits freigeräumt, selbst der ehrwürdige – wenigstens im Grundsatz bisher noch in der musealen Einrichtung der Kaiserzeit erhaltene – Zunftsaal soll künftig forschenden Bürgern für ihre Projekte zur Verfügung gestellt werden. Das Märkische Museum soll zum Kulturzentrum werden. Und die Bezirksmuseen, sonst oft auf Abstand zu der übergroßen Schwester, machen mit vielen eigenen Projekten zum Stadtjubiläum mit, das erste über moderne Architektur hat am vergangenen Wochenende bereits im Gutshaus Steglitz eröffnet.

Erster Sonntag im Monat eintrittsfrei

Andere Themen: Der eintrittsfreie Tag des Stadtmuseums wird auf den ersten Sonntag im Monat verschoben. Auch im Humboldt-Forum wird das Stadtmuseum sieben Euro für den Zugang zur Ausstellung verlangen, obwohl die anderen Schauen des Hauses kostenfrei zugänglich sein sollen. Zwar dürfte sich diese Ungleichbehandlung sofort negativ auf die Besucherzahlen auswirken, gesteht Paul Spies ohne Umschweife zu. Aber er benötige das Geld nun einmal, um den Auftritt Berlins im Humboldt-Forum wenigstens teilweise zu finanzieren, und weder der Bund noch das Land Berlin seien dazu bereit, die durch einen freien Eintritt entstehenden Defizite auszugleichen.

Wobei Paul Spies  kein Anhänger des freien Eintritts aus prinzipiellen Erwägungen ist: Wohlhabende und Touristen können aus seiner Sicht ruhig zahlen. Zuletzt: Im Frühjahr, am 23. April soll auf der Webseite www.1000xberlin das Resultat der Digitalisierung der Sammlungen zu erleben sein: 1000 Berlin-Fotografien, kommentiert und eingeordnet als Teil der großen Berlin-Geschichte, die das Stadtmuseum als besondere Attraktion vorführen will.