Als Buchstaben noch getippt werden mussten, wie hier auf der Schreibmaschine BLWX018036, wurden die Wörter vielleicht noch nicht so schnell aussortiert.
Foto: Erwin Wodick

Berlin - An dieser Stelle wollte ich über Vintage-Wörter schreiben. Bei Vintage-Wörtern handelt es sich um Wörter, die vom Duden aussortiert wurden. Ich stelle mir vor, dass man sie in einem Secondhandladen kaufen kann. Dort werden sie verstaubt herumliegen, vergessen von ihren Nutzern, und auf ein neues Leben warten. Ich könnte sie erwerben und in meiner Wohnung aufstellen. Oder sie in einer Unterhaltung benutzen. Dann würden Gesprächspartner sagen: „Oh! Das ist aber ein schönes Wort! Wo hast du es her?“ Und ich würde voller Stolz antworten: „In einem Antik-Shop entdeckt, der Besitzer wusste nichts von seinem Wert, es war spottbillig, praktisch ein Schnäppchen. Ist es nicht schön? Habe ich aufarbeiten lassen. Früher hat es dem Duden gehört.“

300 Wörter sollen in der letzten Runderneuerung des Dudens aussortiert worden sein, heißt es, und ich wollte sie alle mit sportlichem Ehrgeiz in einem Text unterbringen: Nostalgie als Herausforderung, Vintage total. Aber der Duden schreibt mir heute, er gebe keine Komplettlisten heraus, nur eine Auswahl von 38 Wörtern, darunter „Hackenporsche“ und „Niethose“, was schön ist – aber eben nur etwas mehr als ein Zehntel der Menge, die ich für meinen Antik-Text bräuchte, um mit ihm prahlen zu können. Das wird nun nicht mehr passieren. Dafür habe ich Frösche.

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