Eine Szene aus dem Film „Kiss me Kosher“
Foto: FIREGLORY PICTURES

Die turbulente Liebe zwischen einer Israelin und einer Deutschen („Kiss me Kosher“), eine ex-sowjetische Synchronsprecherin, die in Jerusalem bei einer Sex-Hotline arbeitet („Golden Voices“), eine Fernbeziehung, die an Skype-Missverständnissen zu zerbrechen droht („The End of Love“) oder eine in die Jahre und auf den Hund gekommene Rockband, die seit 30 Jahren auf ein Comeback hofft („The Electrifiers“) – mehrere Spielfilme des diesjährigen Jüdischen Filmfestivals Berlin & Brandenburg (JFBB) schlagen leichtere Töne an.

Die Heldinnen und Helden dieser Geschichten werden durch äußere Ereignisse auf sich selbst geworfen und müssen Entscheidungen treffen. Dennoch schwingt stets die Vergangenheit mit: Die Zukunft ist ohne Erinnerung nicht zu haben. Welches Volk, wenn nicht das jüdische, wüsste dies besser?!

Die 26. Ausgabe des Festivals findet kurz vor Eintritt ins Jahr 5781 statt, es steht unter dem Motto „Jews with many Views“. In fast 50 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen sowie Serien wird ein breites Spektrum an Handschriften und Geschichten aufgemacht. In allen Beiträgen geht es um die Suche nach Identität. Schon Elias Canetti wies darauf hin, dass „Juden sich nur durch eines von anderen Menschen unterscheiden: dass sie nämlich untereinander noch verschiedener sind als andere“.

In den Dokumentationen wird dies noch deutlicher. Mehrere von ihnen widmen sich privat-politischen Themen wie Leihmutterschaft, Scheidungsrecht oder sexueller Selbstbestimmung. So erzählt „I was not born a Mistake“ von der Metamorphose eines ultraorthodoxen Familienvaters mit sechs Kindern zur selbstbewussten Frau. In „Man on the Bus“ geht die australische Regisseurin Eve Ash dem Doppelleben ihrer eigenen Mutter nach, die sich, als gerade dem Tod Entronnene, weigerte, nach den kleinbürgerlichen Normen ihrer neuen Heimat zu leben.

Natürlich kommt dem Holocaust auch nach 80 Jahren in vielen Filmen Bedeutung zu. Am eindringlichsten gelingt dieser Balanceakt zwischen Gestern, Heute und Morgen dem ungarischen Spielfilm „Those Who Remained“ des 1977 geborenen Regisseurs Barnabás Tóth. Die Handlung setzt nach Kriegsende ein, die Katastrophe scheint durchstanden. Doch die Überlebenden können sich in einer Welt ohne ihre Nächsten nicht zurechtfinden. Der Frauenarzt Aldo hat die deutschen Lager zwar überlebt. Als die 16-jährige Klara sich an seine Fersen heftet, wird die scheinbare Normalisierung jäh unterbrochen. Es entwickelt sich eine komplexe Beziehung zwischen zwei Generationen traumatisierter Menschen. Doch die schwierige, gegenseitige Therapie erlebt bereits die Zugriffe einer neuen Diktatur.

26. Jüdisches Filmfestival, in acht Kinos Berlins und Brandenburgs sowie im Internet, 6. bis 13. September www.jfbb.de/programm.