Eine Illustration eines Tieres.
Foto: Karl Burkhard Timm

Geschwisterzwist ist nicht nur ein Zungenbrecher, sondern bedeutet nicht selten auch Gefahr für Leib und Leben. Biblischen Ausmaßes war der Zoff zwischen Kain und Abel. Der Neidhammel Kain erschlug seinen Bruder, weil Gott, der nun mal kein Vegetarier war, die Opfergaben des Hirten Kain den Feldfrüchten des Ackerbauern Abel vorzog. Gott gebärdete sich lieber allmächtig als gerecht gegenüber den beiden Brüdern.

Gott löste damit eine Kaskade an niederträchtigen Todesfällen aus. Wer einen Sündenbock sucht, könnte ihn zweifellos in diesem eitlen Gesellen dort oben im Himmel suchen. Schließlich hat er den Brüderstreit erst angefacht. Nicht zu vergessen, dass die beiden Jungs ohnehin in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen waren. Die Vertreibung aus dem Paradies geht nicht spurlos an einem vorbei. Hinzu kommt noch Eva, diese hinterhältige Schlampe, die Adam in den Apfel beißen ließ und lieber mit Schlangen turtelte, obwohl Gott die Dame eigens aus Adams Rippen geschnitten hatte.

Apropos „geschnitten“: Zuerst wurde Adam in einen Tiefschlaf versetzt und dann hat sich Gott auch noch an ihm vergriffen. Gäbe es § 179 StGB noch, könnte man Gott glatt des Missbrauchs Widerstandsunfähiger bezichtigen. Der Knochen ist doch bestimmt ... nun, lassen wir das. Den Paragrafen gibt’s nicht mehr, seit 2016 geht’s um den entgegenstehenden Willen. Und nichts mit: Kinder mit ’nem Willen, kriegen was auf die Brillen! Damit ist ein für alle Mal Schluss und auch dieser Gott sollte sich mal anschicken, die eigenen moralischen Prinzipien zu prüfen.

Horror, wie der seine Schäfchen gewaltsam durch das Nadelöhr treiben will. Oder war das nun ein Kamel? Wie auch immer: Gott ist entweder tot oder hat sich den veränderten Umständen aus reinem Überlebenswillen angepasst. Vielleicht lebt er auch immer noch wie Elvis und zieht mit seinen Doppelgängern durch die Lande. Jedenfalls hat dieser Gott eine Menge auf dem Kerbholz und sollte wirklich mal ein paar Kurse über gewaltfreie Kommunikation besuchen. Genauso übrigens wie dieser Wolfram von Eschenbach. Schon klar, dass dieser etwas dated Dichter aus dem Frankenland im Mittelalter lebte und das war ja finster, wie wir alle wissen.

Wolfram übrigens maßte sich an, Analphabet zu sein, obwohl er des Französischen mächtig und sehr belesen war. Geradezu widerwärtig, wie er sich als Superprivilegierter die Armut aneignete und mit dem gemeinen Volk, pardon, dem kleinen Mann, pardon, dem Proletariat – yesss! ­– gemein machte. Das war ein klarer Fall von „cultural appropriation“. Rassistisch war er noch dazu. Das zeigt schon, dass Wagner, der alte Nazi, Wolframs „Parzifal“ zu einer Oper machte. Außerdem finden sich Indizien für Rassismus auch in seinem Werk. Parzifal hatte einen Halbbruder namens Feirefiz, der aus der ersten Ehe von Parzivals Vater Gahmuret und der Mohrenkönigin Belakane stammte. Mohrenkönigin, so heißt Belakane tatsächlich auf Wikipedia!

Der Feirefiz aber war der „bunte Bruder“. Wolfram dachte, ein gemischtrassiges (au weia!) Kind müsse nun mal gefleckt sein. Dieser Dorfdepp, der dämliche! Fehlt nur noch, dass er Belakane mit dem berüchtigten N-Wort beschrieben hätte. BIPOC heißt das, Black Indigenous People of Colour, das sollen sich Gott und Wolfram mal hinter die Ohren schreiben. Wie kurios ist das denn, Doc Cohen? Eben.